Tyr
Aus Encyclopaedia Germanica
Tyr ist der altnordische Name eines Gottes, der althochdeutsch Ziu oder Zio, angelsächsich Tiv hieß, der letzte Ausläufer des indogermanischen Himmelsgottes, denn sprachlich deckt sich der Name mit griechisch Ζεύς und lateinisch Jupiter.
Als die Germanen sich des heutigen Deutschlands bemächtigten, war seine Verehrung noch eine allgemeine; später schwand sie und er hielt sich nur noch als Stammesgott der Oberdeutschen, aber auch hier wie bei den übrigen germanischen Völkern mehr Kriegsgott. Daher bezeichnen ihn lateinische Schriftsteller des Mittelalters mit Mars oder Ares.
In nordischen Quellen ist er als Kriegsgott Sohn des Odins. Er war hier einhändig, denn bei der Fesselung des Fenrirwolfs, des Ungetüms, dessen Geschlecht die Gestirne fressen wird, hatte er eine Hand verloren. Beim Göttergeschick findet er den Tod im Kampfe mit dem Höllenhunde.
Geweiht war dem Tyr der dritte Tag der Woche, der nach dem dies Martis im Norden Tyrsdagr, angelsächsich Tivesdäg, althochdeutsch Ziestac. In Mitteldeuschland ist aus Diestag durch volksetymologische Anlehnung an Dingstag unser Dienstag geworden.
Ober der bayrische Kriegsgott Er, der sächsische Saxnot dieselbe Gottheit ist, ist fraglich, wenn auch ihnen dieselben Eigenschaften wir dem Tyr zugeschrieben werden und dieselbe Rune
sowohl Tyr als auch Er bezeichnet. Die ästeste Auffassung als Gottheit schlechthin hat sich im zweiten Teil einiger Beinamen der Götter erhalten, wie im Sigtyr = Siegesgott (Odin), in Reidhartyr = Wagengott (Thor).

