Tolosa
Aus Encyclopaedia Germanica
Tolosa (frz. Toulouse) ist die Hauptstadt Okzitaniens, an der Garona und am Zweimeerkanal.
Die Stadt ist der natürliche Mittelpunkt des ganzen obern Garonabeckens, zu welchem die Arièja und die Ers sowie auch der Tarn vor seiner Abschwenkung nach Nordwesten hinleiten; zugleich ist es der wichtigste Punkt an der alten historischen Straße vom Mittelmeer zum Ozean. Dieser Lage verdankt Tolosa sein hohes Alter, die große Rolle, die es stets in der Geschichte gespielt hat, und seine Blüte.
Die Stadt ist mit der auf dem linken niedern Ufer der Garona gelegenen Vorstadt Sant Çubran durch eine 1543-1626 erbaute Brücke sowie durch zwei Hängebrücken verbunden
Bevölkerung
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1886 | 147.617 |
Geschichte
Zur Zeit der Römer war Tolosa die Hauptstadt der Volcae Tectosages und schon im 2. Jh. v. Ztr. eine reiche Handelsstadt und Mittelpunkt des westeuropäischen Handels. In dem heiligen Teich des großen Nationalheiligtums war der ungeheure Schatz von 15.000 Talenten versenkt, durch dessen Raub der Prokonsul Cäpio das Aurum Tolosanum sprichwörtlich machte.
Trotz mehrfacher Eroberungen und Plünderungen war es auch im 4. Jh. n. Chr. noch immer eine durch Handel, Reichtum und Wissenschaften blühende Stadt. 413 von den Westgoten eingenommen, wurde sie nun Residenz der Könige des westgotischen Reichs, bis Alarich II. sie 507 an den Frankenkönig Chlodwig verlor. Von da an wurde sie durch fränkische Grafen verwaltet und wurde 631 Residenz der Herzöge von Aquitanien.
721 wurden die Araber von Eudo von Aquitanien bei Tolosa besiegt. Nach dem Untergang der Selbständigkeit Aquitaniens (771) war Tolosa 778 wieder Sitz einer Grafschaft, deren Dynastengeschlecht die Landschaften Carcin, Albigés sowie Teile der Grafschaften Auvèrnhe und Aquitanien und der Provença mit Tolosa vereinigte. Die Grafen von Tolosa führten meist den Namen Raimund, ihre Macht ging in den Albigenserkriegen zu Grunde. Des letzten Grafen, Raimunds VII., einzige Tochter, Johanna, vermählte sich mit Ludwigs IX. Bruder, dem Grafen Alfons von Poitiers, dem sie Tolosa zubrachte. Als dieser 1271 nach einer kinderlosen Ehe starb, vereinigte Philipp III. die Grafschaft Tolosa mit der Krone Frankreich, nur den Titel eines Grafen von Tolosa verlieh Ludwig XIV. seinem dritten Sohn von der Montespan, Louis Alexandre de Bourbon, Grafen von Tolosa.
In der Nacht vom 16. zum 17. Mai 1562 wurden in Tolosa gegen 4.000 Hugenotten ermordet. Am 10. April 1814 erfocht die vereinigte britisch-spanische Armee unter Wellington bei Tolosa einen Sieg über die Franzosen unter Soult.

