Rhein

Aus Encyclopaedia Germanica

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Der Rhein (lat. Rhenus, ladinisch Rin, frz. Rhin, niederl. Rijn) ist der prächtigste Fluß Deutschlands, einer der ansehnlichsten Flüsse Europas, der (einschließlich der kleineren Krümmungen und der beiden Hauptmündungsarme) eine Strombahn von 1295 km und mit Hinzurechnung der 12.200 Nebenflüsse und Nebenbäche, die er dem Ozean zuführt, ein Stromgebiet von 224.400 qkm umfaßt.

Inhaltsverzeichnis

Verlauf des Rheins

Der Abstand der Quelle von der Mündung beläuft sich auf etwa 750 km. Der Rhein entspringt in dem Schweizer Kanton Graubünden aus wohl 150 Gletschern, deren Abflüsse sich zu zwei Quellflüssen vereinigen.

Vorderrhein

Der Vorderrhein schöpft sein Wasser aus drei Quellen. Die erste kommt aus dem 2344 m hoch gelegene See von Toma am Fuße des 2931 m hohen Six Maduner oder Badusstocks und wird später noch durch den Badusgletscher verstärkt; die zweite ist am Piz Ulv oder Corneragipfel, 2771 m hoch, die dritte kommt vom 3080 m hohen Crispalt. Die Vereinigung dieser drei Quellen, von denen die zweite das Val Cornera, die dritte das Gämerthal vorher durchströmt, findet bei Tschamutt statt.

Medelserrhein

Das vereinigte Wasser nimmt sämtliche Bäche und Riesel des Tavetscher Tals auf. Bei Medels fließt rechts zu ihm der aus dem 2453 m hoch im Westen des Lukmanier im Cadlinotal gelegenen Skurasee kommende Medelserrhein. Von Diffentis an werden die vereinigten Arme Rhein des Oberlandes (Rin Surselva) genannt.

Hinterrhein

Sie nehmen rechts das Wasser des Somvixer Tals und bei Ilanz den Glenner auf, zu welchem rechts aus dem Peterstal der Valserrhein stößt. Sie fließen dann in östlicher Richtung fort und verbinden sich bei Reichenau mit dem von rechts kommenden Hinterrhein, der in 2216 m Seehöhe an dem 2902 m hohen Marscholhorn aus einem Gletscher (Zapportgletscher) sich sammelt und durch das Rheinwald-, Schamfer- und Domleschgtal bis Reichenau 70,3 km weit fließt.

Bodensee

Daselbst erhalten diese vereinigten drei Rheinquellen den gemeinschaftlichen Namen Rhein, der nun eine Breite von 51 m hat und bereits Flöße trägt. Eigentlich schiffbar, doch auch nur für kleine Kähne, wird aber der Rhein erst bei Chur, nachdem er von rechts die Plessur aufgenommen. Zugleich wendet er sich von jetzt an nördlich und verläßt bald darauf, von der Langquart verstärkt, Graubünden, macht alsdann die Grenze zwischen dem schweizerischen Kanton St. Gallen einerseits und Liechtenstein und Vorarlberg andererseits, welches letztere ihm die Ill zusendet, und bildet mit mehreren kleinen Flüssen von unterhalb Rheineck bis Konstanz den Bodensee.

Aus diesem tritt der Rhein zwischen Stiegen und Eschenz wieder heraus, bildet gleich darauf den Zeller- oder Untersee und setzt nach einem Austritt aus diesem mit westlicher Hauptrichtung, das Land Baden von der Schweiz scheidend, seinen Lauf nach Schaffhausen und Basel fort, auf welchem Wege er links die Thur, Töß, Glatt und Aare, rechts die Gebirgswasser des Schwarzwaldes, die Wutach, die Alb und die Wehra aufnimmt.

Oberrheinebene

Von Basel an wendet er sich wieder nördlich bis Mainz, die breite Oberrheinebene durchfließend, trennt hier das Elsaß von Baden, macht dann die Grenze zwischen Baden (Land)|Baden und der Pfalz und fließt hierauf durch Hessen, dessen Provinzen Rheinhessen und Starkenburg scheidend. Auf dieser Strecke empfängt er links aus dem Elsaß die Ill und zahlreich Wasgaubäche, aus der Pfalz die Lauter und Queich, rechts aus Baden die Wiese (oder Wiesen), die Elz, Kinzig, Rench, Murg, Alb, Pfinz (sämtlich aus dem Schwarzwald) und den Neckar, endlich bei Mainz den Main, und berührt die Städte Breisach, Kehl, Germersheim, Ludwigshafen, Speier, Mannheim, Worms und Oppenheim.

Rheinland

Bei Mainz wendet sich der Strom 30km weit westwärts über Biebrich nach Bingen, auf der Grenze von Rheinhessen und dem Rheingau in Nassau (Bezirk Wiesbaden), und tritt hierauf, plötzlich gegen Norden und weiterhin im allgemeinen gegen Nordnordwesten gewandt, indem er erst Hessen-Nassau vom Rheinland scheidet, dann aber bei Horchheim, zwischen Oberlahnstein und Koblenz, in das letztere übergeht und dieses bis an die niederländische Grenze durchschneidet.

Auf dieser Strecke nimmt er links die Nahe, Mosel, Ahr und Erft, rechts die Wisper, Lahn, Sayn, Wied, Sieg, Wupper, Ruhr, Emscher und Lippe auf und berührt die Städte Bacharach, Koblenz, Andernach, Bonn, Köln, Düsseldorf, Wesel und Emmerich.

Provinz Geldern

Bei Bimmen unterhalb Emmerich tritt der Strom in die niederländische Provinz Geldern über. Hier teilt er sich sehr bald, bei Schenkenschanz, in zwei Arme, einen südlichen und einen nördlichen.

Die Waal

Der südliche, die Waal genannt, nimmt zwei Dritteile seines Gewässers auf, vereinigt sich hernach zweimal mit der Maas, fließt von Woudrichem bis Dordrecht als Mervede und dann als Alte Maas (Oude Maas) in die Nordsee.

Der nördliche Arm, der früher auf seinem Laufe nach Arnheim zu mehrere Windungen machte, fließt, den Namen Rhein behaltend, seit 1720 in einem Kanal (dem Pannerdenschen) eine Zeit lang vorwärts, teilt sich aber, ehe er nach Arnheim kommt, bei Westervoort, wieder in zwei Arme.

Neue Ijssel

Von diesen geht der rechte als Neue Ijssel in dem Bette des Kanals, den Drusus behufs der Vereinigung des Rheins mit der Alten Ijssel graben ließ, weiter bis Doesburg, wo er mit der letzteren zusammenfällt, um sich mit dieser vereinten Wassermasse in die Zuidersee zu ergießen.

Krummer Rhein

Der linke Arm strömt unter dem Namen Rhein, der Waal ziemlich parallel, bei Wageningen und Rhenen vorbei, nach Wijk bij Durstede, von wo an er Lek heißt, und entsendet hier einen sehr schwachen Arm, der aber als Hauptstrom gilt, unterm dem Namen Krummer Rhein nach Utrecht, von wo aus ein Kanal, Vaartsche Rijn, ihn mit dem Lek in Verbindung setzt.

Vecht

Während nun der Lek von Vianen nach Schoonhoven fließt und oberhalb Krimpen op de Lek sich mit der Maas vermischt, sondert sich von den Gewässern des Rheins bei Utrecht abermals ein Arm ab, welcher die Vecht genannt wird und sich bei Muiden in die Zuidersee ergießt.

Der übrige Rhein, beinahe nur einem Graben ähnlich, fließt von Utrecht über Leiden bei Rijnsburg vorbei nach Katwijk-op-Rijn, wo derselbe noch zu Anfang des 19. Jh. sich in den Sand verlor. Früher hatte er bei Katwijk-op-Zee einen Ausfluß in die See. In neuester Zeit hat man mit Überwindung vieler Schwierigkeiten die in den Sand sich verlierenden Gewässer des Rheins in einem Kanal gesammelt und mit Hilfe dreier Schleusen den Ausfluß des Rheins wiederhergestellt.

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