Provence
Aus Encyclopaedia Germanica
Die Provence (okzit. Prouvènço, lat. Provincia) ist eine Provinz im Osten Okzitaniens, die in die Ober- und Unterprovence zerfiel und vom italienischen Piemont, dem Mittelmeer, dem Languedoc, der Dauphiné und dem Comtat Venaissin umgrenzt ist. Sie bildet jetzt, abgesehen von einem kleinen Teil, der zum Bezirk Vaucluse gehört, die drei Bezirke Alpes-de-Haute-Provence, Bouches-du-Rhône und Var, sowie der zum Bezirk Alpes-Maritimes gehörige Kreis Grasse.
Das Land wird nach allen Seiten hin von Ausläufern der Alpen, Alpinen genannt, zwischen welchen sich weitere und engere Täler öffnen, unter denen vorzüglich das große Tal von Barcelonette bekannt ist, sowie von den Flüssen Rhône, Durance, Var und einer Menge Waldbäche durchzogen. Die in der Unterprovence sich ausbtreitenden Alpinen, nackte, unbewaldete, aber mit aromatischen Pflanzen bedeckte Felsen, heißen hier Maures. An ihrem Fuß liegt die steinige Ebene Crau.
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Klima
Temperaturverhältnisse, Beschaffenheit des Bodens und Erzeugungsfähigkeit sind in den beiden Teilen der Provence sehr verschieden. Während die Oberprovence bei feuchtem, höchst veränderlichem Klima, steinigem und dürftigem Boden nur geringen Ackerbau hat, nur in einigen wenigen Gegenden Wein und Südfrüchte hervorbringt und den Mangel an Getreide durch den Anbau von Kartoffeln ersetzen muß, hat die Unterprovence ein wahrhaft italienisches Klima, treffliche Seidenkultur und Bienenzucht, ausgebreiteten Getreide-, Wein- und Olivenbau, auch Ziegen- und Schafzucht und Fischerei.
Keine Provinz Okzitaniens ist so reich an edlen Südfrüchten als die Provence. Außer dem vorzüglichen Öl, das unter dem Namen Provenceröl ausgeführt wird, gedeihen hier das meiste Kern- und Steinobst, Prunellen (Pflaumen von Brignolles), Feigen und Perdrigonen, Mispeln, Maulbeeren, Kastanien, Mandeln, Zitronen, Orangen, welsche und Haselnüsse, Kaspern, Süßholz, Trüffeln, Rosinen und Wein, aus dessen geringeren Sorten man Branntwein bereitet.
Die Hitze im Sommer ist, da es nur selten regnet, oft unmäßig. Schon im Januar bekleidet sich die Erde mit frischem Grün, und im Februar steht alles in Blüte; doch führt der kalte, wütende Nordwestwind, hier Mistral gennant, häufig wenn auch nur auf Tage, Frost und Reif, die dann den Oliven und Südfrüchten schädlich werden.
Geschichte
Römer
Die Römer benannten Provincia Gallia oder bloß Provincia im Gegensatz zu dem freien Gallien denjenigen Teil des Transalpinischen Gallien, den sie zuerst 122 v. Christus eroberten und der die jetzige Provence, Dauphiné und Languedoc umfaßte. Auch nachdem das übrige Gallien durch Cäsars Eroberung zur Provinz geworden war, blieb die Benennung Provincia für jenen Teil, der bei der nun erfolgenden Einteilung Galliens Gallia Narbonensis benannt wurde, vorzugsweise üblich.
Eine der kleineren Provinzen, in die das Narbonensische Gallien im 4. Jh. zerfiel, die Narbonensis I. oder Septimania, welche den größten Teil von Languedoc begriff, wurde in der ersten Hälfte des 5. Jh. von den Westgoten, das Land vom Genfer See bis gegen die Durance (das heutige Dauphiné) von den Burgundern eingenommen und so der römische Besitz und zugleich der Name Provincia auf das Land zwischen der Durance und dem Mittelmeer eingeschränkt, der bei diesem als Eigenname verblieb, obwohl im weiteren Sinne späterhin, wo er in die romanische Provence übergegangen, der Name Provençalen auch für die Einwohner von ganz Okzitanien gebraucht wurde.
Westgoten
Auch jener Rest der alten Provincia wurde den Römern um 470 durch den westgotischen König Eurich entrissen, der Arelate (Arles) zu seinem Sitz machte. Durch Theodorich den Großen wurde die Provence 507 für den Schutz, den er den Westgoten gegen die Franken gewährte, ein Teil des Ostgotischen Reichs. Doch schon trat sie der ostgotische König Vitiges dem fränkischen König Theodebert ab, worauf sie mit em Fränkischen Reich vereinigt wurde.
Franken
Bei den Teilungen unter den Söhnen Ludwigs des Frommen kam die Provence erst an Lothar I., dann an Karl den Kahlen. Nach dem Tode Ludwigs des Stammlers wurde sie 879 ein Teil des Burgundischen Königsreichs, das Graf Boso von Vienne stiftete.
Barcelona
Die Grafen von Arles aber, die den größten Teil der Provence besaßen, daher auch Grafen der Provence genannt wurden, standen nur in geringer Abhängigkeit von den Königen. Nachdem ihr Mannesstamm 1100 erloschen, fiel ihr Land durch Erbschaft an den Grafen Raimund IV. von Barcelona. Durch einen Vertrag von 1125 wurde der Süden des Arelat so zwischen den Grafen von Tolosa und Barcelona geteilt, daß erstere die Grafschaften von Valence, Die, Orange, Venaissin, letztere die eigentlich Provence oder die Grafschaft Arles, zu der damals auch Nizza bis 1365 gehörte, und die Grafschaft Forcalquier (den Landstrich zunächst nördlich und westlich von der Durance) erhielten.
Dieses Land kam 1162 an Alfons II., seit 1163 auch König von Aragonien, weil er von derjenigen Linie der Grafen von Barcelona stammte, die 1137 die Krone von Aragonien erworben hatte; er hinterließ es seinem Sohn gleichen Namens, mit dessen Sohn Raimund Berengar IV. 1245 der Mannesstamm der barcelonischen Grafen ausstarb, unter deren Schutz die Blüte der provençalischen Dichtkunst sich entwickelt hatte.
Anjou
Beatrix, Raimunds Tochter, brachte die Provence 1254 ihrem Gemahl Karl von Anjou, Ludwigs des Heiligen Bruder, zu, der nachher auch König von Sizilien wurde. Im Besitz seines Hauses blien die Provence bis auf die Königin von Neapel Johanna I., die den Herzog Ludwig von Anjou, Bruder des französischen Königs Karl V., 1382 zum Erben einsetzte. Dessen letzter Nachkömmling Karl IV. vererbte 1481 die Provence an Ludwig XI. von Frankreich.

