Ostgoten
Aus Encyclopaedia Germanica
Die Ostgoten waren - wie die Westgoten - ein germanisches Teilvolk der Goten, die erst unter die Herrschaft der Hunnen gerieten, später Italien eroberten und sich bis ins 16. Jh. auf der Krim erhielten.
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Geschichte
Unter hunnischer Herrschaft
Die Ostgoten standen seit dem Tode Hermanrichs, bis auf einige Scharen, die sich mit den Westgoten vereint hatten, unter der Herrschaft der Hunnen. Nach dem Sturze Attilas, dessen Heereszug sie gefolgt waren, wohnten sie in Pannonien (Ungarn, südlich der Donau), von wo sie häufig in Noricum und in das Byzantinische Reich einfielen, unter drei Brüdern, Walamir, Theodemir, Widimir, aus dem Stamme der Amaler, und widerstanden den Angriffen der Hunnen sowie 470 der gegen sie vereinigten Sueven, Alamannen und der nördlich von der Donau wohnenten Sarmaten, Skiren und Rugier.
Mösien
Nach Walamirs Tode führte Widimir die Seinen gegen Italien. Er starb auf dem Zuge. Seinen gleichnamigen Sohn bewog Kaiser Glycerius 473, sich den Westgoten anzuschließen. Von Theodemir hatte Kaiser Leo 460 den Frieden erkauft; sein Sohn Theodorich, der sich als König, seit 475, den Beinamen des Großen erwarb, wurde am byzantinischen Hof erzogen. Als er von da zurückgekehrt war, brach Theodemir, der bal nachher starb, mit ihm in das Byzantinische Reich ein. Macedonien und Thessalien wurden von den Ostgoten verwüstet; darauf erhielten sie Sitze in Ober- und Niedermösien neben denjenigen Westgoten, die hier und in Thrazien von früher her zurückgeblieben waren und sich unter dem Namen Kleinere Goten (Gothi minores, auch Mösogoten) bis ins 6. Jh. erhielten.
Italien
Beide Völker und ihre Fürsten, die beiden den Namen Theodorich trugen, suchte die Politik des byzantinischen Kaisers Zeno zu entzweien. Da dies nur unvollkommen gelang, veranlaßte Zeno 488 den ostgotischen Theodorich mit seinem Volke, dem sich die Rugier anschlossen, nach Italien zu ziehen, wo Odoakar herrschte. Die Gepiden, die ihnen bei Sirmium den Weg verlegten, wurden zurückgeworfen. Odoakar wurde 489 erst bei Aquileja, dann bei Verona, 490 an der Adda geschlagen; doch hielt er sich, während Theodorich Italien und Sizilien einnahm, in Ravenna bis 493, wo er sich ergab und ermordet wurde.
Auch die Herrschaft in den Donauländern, die sein Bruder Honulf für ihn verwaltete, kam jetzt größtenteils an Theodorich, dessen Reich außer Italien und Sizilien Pannonien, Savien (das Land an der Sau), Dalmatien, einen Teil von Noricum, das hohe Rhätien und seit 507 auch die Provence umfaßte. Die Oberhoheit des Kaisers Anastasius, die Theodorich anerkannte, bildete für ihn keine Schranke.
Sein Ruhm und Einfluß reichte weit über die germanische Welt und von Ravenna aus ordnete er, der König der Goten und Italer, wie er selbst sich nannte, die inneren Verhältnisse mit weiser Schonung des Bestehenden, mit Achtung vor römischer Bildung, zugleich aber bedacht, seine Goten, deren 200.000 Krieger ein Drittel des italienischen Bodens erhalten hatten, in ihrem arianischen Glauben, ihrer germanischen Sitte und Tapferkeit rein zu bewahren. Italien blühte, auch in seinem Ackerbau, unter ihm wieder auf; für die Entscheidung der Rechtsstreite zwischen Goten und Italern wurde 500 das Edictum Theodorici erlassen.
Nach Theodorichs Tod, 526, führte seine Tochter, Amalasuintha für ihren minderjährigen Sohn Athalarich die Regierung; als dieser 534 starb, nahm sie ihren Vetter Theodat zum Mitregenten an, der sie aber umbringen ließ. Da sandte Kaiser Justinian den Belisar aus, Italien wiederzuerobern. Theodat wurde, als dieser in Unteritalien vordrang, von seinem Heere abgesetzt und erschlagen, nachdem Vitiges 536 zum König erhoben worden war.
Die katholischen Italer neigten sich den Griechen zu. Rom und Ariminum gingen den Goten verloren und wurden von Vitiges vergebens belagert, dagegen nahm Braias, dessen Neffe, Mailand ein, das abgefallen war, und verwüstete es 539. Vitiges hatte durch die Abtretung der Provence an die Franken unzuverlässige Bundesgenossen erkauft, die unter dem austrasischen Theodebert Italien durchzogen und sich dann am Südabhang der Alpen festsetzten.
Besser gelang der Versuch, den König der Perser, Chosroes, zum Einfall ins byzantinische Gebiet zu bewegen. Als trotzdem Belisar in Italien Fortschritte machte, erbot sich Vitiges zu Belisars Gunsten abzudanken; letzterer nahm auch, aber nur zum Scheine, die Krone an und bemächtigte sich durch diese List des festen Ravenna, worauf er Vitiges und die vornehmsten Goten gefangen mit sich nach Konstantinopel führte.
Die Goten, die in Oberitalien noch unbesiegt waren, wählten nun den Ildibad und nach dessen Tode den edlen Totilas, der in Treviso befehligte, zum König. Das Land war bald wieder gewonnen, doch widerstanden die großen Städte. Rom wurde von Totilas lange belagert, endlich 546 durch List genommen, bald aber wieder von Belisar erobert, der 544 nach Italien geschickt, ohne hinlängliche Macht sich bis 549 nur zu behaupten, aber keine Entscheidung herbeizuführen vermochte. Diese brachte erst Narses, von Justinian, der Totilas' Friedensanträge verwarf, 552 mit einem großen Heere gesendet, das namentlich aus Hunnen, Herulern und Langobarden bestand.
Bei Taginä, zwischen Gubbio und Nocera, im Apennin kam es zur Schlacht, in der Narses siegte und Totilas tödlich verwundet wurde. Tejas, den die Goten zu seinem Nachfolger wählten, ging nach Unteritalien, um Cumä, wo des Totilas Schätze lagen, zu entsetzen; gegen ihn zog von Rom, das nun zum sechsten Mal im gotischen Krieg eingenommen war, Narses. Dieser gewann den Anführer der gotischen Flotte, sodaß Tejas aus Mangel an Zufuhr die gute Stellung, die er am Vesuv genommen, verlassen mußte. Da kam es bei Nocera östlich von Castellamara zur Schlacht.
Auch nachdem Tejas kämpfend gefallen war, setzten seine Krieger die Schlacht fort; am dritten Tage erlangten, die noch übrig waren, freien Abzug nach Norden. Eine ihrer Scharen rief hierauf von Pavia aus zwei Herzöge der Alamannen zu Hilfe; diese verwüsteten Italien, bis Narses, der indes die meisten festen Plätze eingenommen hatte, sie 554 bei Capua besiegte. Im Jahr 555 ergaben sich ihm 7.000 Goten in Conza; der gotische Anführer Vidin wurde noch 556 geschlagen und damit der Krieg beendet. Viele Goten traten in den byzantinischen Kriegsdienst, andere gingen nach Rhätien und Noricum.
Krimgoten
An dem Schwarzen Meer waren von alters her Ostgoten sitzen geblieben, die sogenannten tetraxitischen Goten, in der Krim und am Kuban, wo sie zu Justinians Zeit mit den uturgurischen Hunnen verbündet erscheinen. Reste von ihnen scheinen sich in der Gebirgen der Krim bis in das 16. Jh. erhalten zu haben.
Mehrere anderen östlichen Völker waren den Goten nahe und unmittelbar verwandt und werden daher jetzt gewöhnlich unter dem Namen der gotischen Völker zusammengefaßt. Unzweifelhaft dahin gehören die Bastarnen, Peuciner, Gepiden, Rugier, Heruler, Avionen, Vandalen, welche jedoch sämtlich wie die Goten untergegangen sind und nicht einmal unter gewechseltem Namen fortdauern. Zwischen dem Pontus und der Ostsee an Weichsel und Donau, wo sie ihre Sitze hatten, haben sich Slawen und Ungarn eingedrängt.

