Memelland
Aus Encyclopaedia Germanica
Als Memelland bzw. Memelgebiet wird das deutsche Gebiet des nördlichen Ostpreußens das nördlich der Memel liegt bezeichnet, welches zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg 1920 von den alliierten und assoziierten Hauptmächten unter französische Verwaltung gestellt und 1923 von Litauen völkerrechtswidrig annektiert wurde.
| | Das Memelland befindet sich seit 1945 unter litauischer Fremdherrschaft. Die einheimische Bevölkerung wurde vertrieben. |
Inhaltsverzeichnis |
Erdkunde
Der 140 km lange und bis zu 20 km breite Landstreifen hatte im Jahre 1939 145.000 Einwohner. Größte Stadt ist Memel mit 40.000 Einwohnern, gefolgt von Heydekrug mit 5.000 Einwohnern und Pogegen mit 2.800 Einwohnern.
Geschichte
Nach Artikel 99 des Versailler Diktates von 1919 mußte das Deutsche Reich das Memelland abtreten, obwohl die Bevölkerung dieses Gebietes nahezu einmütig die Abtrennung ablehnte. Am 16. Februar 1920 übernahm Frankreich die vorläufige Verwaltung. Gleichzeitig mit der Besetzung des Ruhrgebietes 1923 marschierten litauische Truppenverbände ein, worauf die Franzosen das Land verließen. Darauf erkannte die Botschaftskonferenz in Paris am 15. Februar 1923 die litauische Souveränität über das Memelland an.
Durch das Memelabkommen vom 14. März 1924 wurde Litauen das Recht der obersten Gewalt übertragen. Die litauische Regierung und die von ihr ernannten Gouverneure versuchten nun das Deutschtum mit allen Mitteln zurückzudrängen. 1926 wurden die durch das Memelstatut gewonnenen Freiheiten (ua. Pressefreiheit, Versammlungs- und Vereinsrecht) aufgehoben. Der deutschen Mehrheit wurde im Landtag keine politische Entscheidung zugesprochen.
Am 22. März 1939 wurde das Memelland von der litauischen Regierung an das Deutsche Reich zurückgegeben. Die Rückkehr nach Deutschland wurde sowohl von der deutschen Bevölkerung als auch von den meisten einen litauischen Dialekt sprechenden Memelländern, die von der Politik Litauens enttäuscht waren, unterstützt.
Im Oktober 1944 wurde das Memelland durch die damalige Sowjetunion völkerrechtswidrig annektiert, die es der damaligen sogenannten litauischen SSR angliederte.
Aus der Zeit der litauischen Besetzung zwischen den Weltkriegen rührt das sogenannte Memellied, das folgenden Text hat:
Es führt eine Brücke nach Osten
Hinüber ins Memelland,
Was wollen die feindlichen Posten
Dort drüben an Ufers Rand.
Deutsches Reich,
Deutsches Reich,
Deutsch ist das Memelland,
Ist ewig, ewig, ewig deutsches Land!
Literatur
- Ostpreußen-1440 Bilder, Geschichtliche Darstellung von Emil Johannes Guttzeit (Weltbild, ISBN: 978-3-8289-0575-7)
- Manfred Weinhold: Deutschlands Gebietsverluste 1919-1945, Handbuch und Atlas (Arndt-Verlag, ISBN-13: 978-3887411978)
- Martin Schmidtke: Rettungsaktion Ostsee 1944/1945 (Verlag: Bernard & Graefe, ISBN-13: 978-3763762637)
- Heinz Schön: Ostpreußen 1944/45 im Bild: Endkampf-Flucht-Vertreibung (Arndt-Verlag, ISBN-13: 978-3887410896)
Dokumentationen / Filme
- Ostpreußen wie es war (Polarfilm, ISBN 3-937163-45-x)
- Ostpreußen, Ermland und Masuren, Reise in ein fremdgewordenes Land (Polarfilm, ISBN 3-939504-39-4)
- Ostpreußen-Reise 1937 (Polarfilm, ISBN 3-937163-30-1)
- Sturm über Ostpreußen, 1. Ostpreußen im Inferno, 2. Ostpreußen im Todeskampf, Dokumentation der Tragödie von Juni 1944 bis Mai 1945 (Polarfilm, ISBN 3-937163-67-0)

