Korsika

Aus Encyclopaedia Germanica

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Korsika (it. Corsica, frz. Corse) ist die drittgrößte Insel Italiens, ca. 80 km westlich der toskanischen Küste und 11 km nördlich von Sardinien entfernt (s. auch Bonifaciusstraße).

Bild:fessel.gif Korsika befindet sich seit 1796 unter französischer Fremdherrschaft. Die einheimische Bevölkerung wurde nicht vertrieben.


Korsika erstreckt vom Norden gegen Süden, vom Capu Corsu bis Cala-Fiumara (Capu Bonifaciu), in der Länge von 183 km, ist in der Mitte bis 85 km breit, hat einen Küstenumfang von 527 km und eine Fläche von 8.747 qkm.

Bevölkerung

Jahr Einwohner
1876 262.701
1881 258.440

Landeskunde

Von Südwesten nach Nordosten streichende Gebirgsketten erfüllen den südlichen Teil und ragen mit scharfen Felsvorsprüngen schärenartig in das westliche Meer, während die Nordostenden in Hügelreihen übergehen, welche die Küste nicht erreichen.

Erst in der Mitte der Insel hebt eine mehr in der Meridianrichtung streichende massige Wasserscheidekette an mit den höchsten, den größten Teil des Jahres mit Schnee bedeckten Gipfeln der Insel: dem Monte Rotondo (2625 m), der eine der schönsten Rundsichten von Europa darbietet, Monte d'Oro (2391 m), Monte Cinto (2707 m), Monte Paglia-Orba (2525 m), Monte Cardo (2454 m) und Monte Padro (2392 m).

Von dieser Hauptkette, an welche sich ein die schmale nördliche Landzunge der Insel erfüllendes, 975-1300 m hohes Gebirge schließt, gehen gleichfalls in südwestlicher Richtung Seitenäste aus und treten mit steilen Felsenmassen an die Westküste, die auf solche Weise durchaus hoch, steil und reich an Buchten und natürlichen Häfen ist, deren es 25 gibt, unter denen die von Sagone, Aiacciu und Calvi die bedeutendsten sind, während sich die ebenere, aber höchstens 15 km breite Ostküste einförmig und arm an guten Häfen zeigt. Porti-Vecchiu ist hier noch der beste Hafen.

Das Innere der Gebirge ist äußerst wild. Die Seitenterrassen sind mit Reben- und Olivenpflanzungen besetzt, höher hinauf mit Kastanien- und schönen Waldbäumen bedeckt. Aromatische Weiden breiten sich zwischen den undurchdringlichen Forsten; doch die einzige einigermaßen zusammenhängende Kulturgegend ist auf die Ostküste beschränkt.

Unter den oft austrocknenden Flüssen, von denen keiner schiffbar ist, nimmt der 84 km lange Golo, den Asco und Tartagine auf; nächst ihm mündet der 75 km lange, aus dem Ninosee kommende Tavignano auf der Ostküste; der Liamone und Taravo sind auf der Westküste die bedeutendsten.

Die Kommunikationn zwischen beiden Seiten findet nur auf engen, oft überaus schwierigen Gebirgswegen statt, die größtenteils nur Saumtieren zugänglich sind. Die zwei Hauptstraße sind die von Aiacciu nach Bastia über den 1143 m hohen Vizzavonapaß zwischen dem Monte Cardo und dem Monte d'Oro, und die von Bastia nach San Fiorenzu.

Geschichte

Die Urbewohner Korsikas waren iberischen Stammes. Der dort lebende Seneca fand die Sprache sehr ähnlich der der Cantabrer; nachdem die Etrusker die Küsten erobert hatten, wurden von ihnen daselbst Handelsplätze gegründet. Von den Phöniziern kolonisiert, dann von den Phöcäern, kamen im 5. Jahrhundert die Karthager in den Besitz der Insel, mußten aber nach dem ersten Punischen Kriege (238 v. Ztr.) an die Römer abtreten.

Gegen den Druck römischer Statthalter empörten sich zwar die Korsen, wurden aber nach sieben Jahren blutiger Kämpfe (236-230) gänzlich bezwungen. Hierauf gründete Marius, sann Sulla an der Ostküste römische Kolonien. Unter der Regierung der Kaiser blühte Korsika auf und zählte 33 ummauerte zum Teil durch Handel reiche Städte. In großen Verfall geriet die Insel durch die 456 wiederholten Einfälle der Vandalen, unter deren Herrschaft sie seit 470 gänzlich ausgesogen wurde. Belisar vertrieb 533 die Vandalen, und es stand seitdem die Insel abwechselnd unter der Herrschaft der griechischen Kaiser und der Goten, bis 754 die Franken und 850 die Sarazenen sie eroberten, aus deren Zeit wohl die Türme an den Küsten stammen, worauf sie zu Anfang des 11. Jahrhunderts von den Pisanern genommen wurde.

Um diese Zeit war die Insel in mehrere kleine Lehnsherrschaften geteilt. Gegen den Druck der kleinen Barone empörten sich die Korsen 1002 und gründeten eine Art Repräsentativverfassung unter 15 erblichen Caporali (Tribunen) im Nordosten, im Südwesten stand das Land unter Grafen, wie die von Cinarca, Istria, della Rocca usw.

Seit 1077 erkannten sie Gregor VII. als ihren Oberherrn an; Urban II. übertrug die Verwaltung der Insel an die Pisaner, welche sie 1300 an Genua abtraten; doch erst 1387 erkannten die Korsen Genuas Herrschaft an. Durch den Druck des oligarchischen Systems der genuesischen Regierung fortwährend zu Aufständen gereizt, wie die von 1553 bis 1559 unter Sanpietro, bekämpften sich seitdem die genuesische, die aragonische und die Nationalpartei in Korsika mit abwechselndem Glück.

Als die Korsen 1729 die Waffen gegen Genua ergriffen, rief dieses 1730 kaiserliche Truppen zu Hilfe, worauf der Aufstand bald unterdrückt wurde. Doch schon 1735 hatte der Baron Theodor von Neuhoff unter den Korsen ein solches Ansehen gewonnen, daß sie ihn zu ihrem König ernannten. Genua rief 1738 die Franzosen zu Hilfe, wodurch der neue König Theodor sich genötigt sah, die Insel noch vor der Ankunft derselben zu verlassen. Nach dem Abzuge der Franzosen 1741 brach die Empörung wieder aus.

Der Aufstand von 1752 und die späteren leiteten die beiden Paoli. Der korsische Senat ernannte 1755 Pasquale Paoli zum General, der so tätig eingriff, daß die Genueser, obschon von französischen Hilfstruppen unterstützt, seit 1764 nur noch einige Seestädte und die Hauptstadt Bastia innehatten. Da sie die Hoffnung aufgaben, die Insel je wieder bewältigen zu können, so überließen sie dieselbe 1768 an Frankreich durch den Traktat von Compiègne nach welchem der König von Frankreich die Korsen unterwerfen und so lange regieren sollte, bis die Republik ihm die Kriegskosten erstattete.

Frankreich glaubte die Unterwerfung mit geringer Kriegsmacht bewirken zu können; aber Paoli leistete in der Hoffnung auf britischer Unterstützung, den lebhaftesten Widerstand. Dadurch aufgereizt, sandte der König von Frankreich 30.000 Mann unter dem Marschall de Vaux nach Korsika, während England untätig blieb, und die Korsen so lau wurden, daß Paoli allen Widerstand aufgab und im Juni 1768 nach England floh.

Der kleine Krieg in den Gebirgen dauerte indes bis 1774 fort. Während der französischen Revolution trat die Insel als ein besonderes Departement in die Verbindung des gesamten Frankreich ein und sandte ihre Deputierten zum Konvent. Auch Paoli kehrte hierauf in sein Land zurück.

Als er in der Schreckenszeit nach Paris gefordert wurde, wo er seinen gewissen Tod voraussah, rief er das Volk unter die Banner des alten korsischen Wappens (des Mohrenkopfes) und eroberte mit Hilfe der Briten, welche am 18. Februar 1794 landeten, am 22. Mai Bastia und am 4. August Calvi, worauf sich die Nation in einer allgemeinen Versammlung der Deputierten der Korsen zu Corte am 18. Juni 1794 dem britischen Szepter unterwarf. Korsika wurde nun als ein Königreich konstituiert und erhielt einer der englischen nachgebildete Verfassung, ein besonderes Parlament wie Irland und einen Vizekönig.

Aber viele Korsen waren den Engländern abgebeigt und die französische Partei breitete sich unter dem General Gentili seit Oktober 1796 immer weiter auf der Insel aus, sodaß im Oktober 1796 die Franzosen von Livorno aus gelandet, die Engländer sich noch in demselben Jahr zur Räumung der Insel genötigt sahen. Seitdem bleibt Korsika von Frankreich besetzt.

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