Klopstock, Friedrich Gottlieb
Aus Encyclopaedia Germanica
Friedrich Gottlieb Klopstock, geboren am 2. Juli 1724 zu Quedlinburg und am 14. März 1803 in Hamburg gestorben, war ein ausgezeichneter deutscher Dichter.
Leben
Friedrich Gottlieb Klopstock wurde zu Quedlinburg geboren, wo sein Vater Kommissionsrat war; er verlebte seine erste Jugend, da sein Vater das Amt Friedeburg im Mansfeldischen pachtete, auf dem Land, besuchte dann das Gymnasium seiner Vaterstadt und kam in seinem 16. Jahr nach Schulpforta. Schon hier faßte er den Plan zum Messias, nachdem er die Absicht, Heinrich den Vogler zum Helden eines größeren epischen Gedichts zu machen, aufgegeben hatte.
Im Herbst 1745 bezog er die Universität Jena, um Theologie zu studieren, und arbeitete hier die ersten Gesänge des Messias in Prosa aus. In Leipzig, wohin er sich 1746 begab, lernte er Cramer, Schlegel, Rabener, Zachariä u.a. kennen, die damals die Bremischen Beiträge herausgaben, in welchen 1748 die drei ersten Gesänge des Messias ohne den Namen des Dichters zuerst erschienen und außerordentliches Aufsehen erregten.
Klopstock übernahm 1748 eine Hauslehrerstelle in Langensalza, wo er eine tiefe, aber unerwiderte Neigung zur der Bruderstochter seiner Mutter, Sophie Schmidt, der in seinen Oden gefeierten Fanny, faßte. Von Bodmer, auf den der Messias den stärksten Eindruck gemacht hatte, eingeladen, reiste Klopstock im Sommer 1750 nach Zürich, wo er ein halbes Jahr blieb. Hier erhielt er von König Friedrich V. von Dänemark auf Empfehlung des Ministers Bernstorff die Einladung, mit einem Gehalt von 400 Thalern nach Kopenhagen zu kommen, um daselbst den Messias zu vollenden. Er nahm die Einladung an und reiste im Frühjahr 1751 über Quedlinburg und Hamburg nach Kopenhagen.
In Hamburg lernte er die von ihm später als Cidli gefeierte Margarete (Meta) Moller (geb. 1728) kennen, die jüngste Tochter des dortigen Kaufmanns Peter Moller. Er verheiratete sich 1754 mit ihr, verlor sie aber schon 1758 durch den Tod. Ihre hinterlassenen Schriften gab er bald nach ihrem Tode heraus (Hamburg 1759 und in Klopstocks Werken). Im Jahr 1763 erhielt er den Titel eines dänischen Legationsrats. Nachdem Bernstorff seine Entlassung erhalten hatte, verließ auch Klopstock 1771 Kopenhagen und folgte ihm nach Hamburg, behielt aber seinen dänischen Gehalt.
In Hamburg vollendete er endlich seinen Messias, dessen letzten fünf Gesänge 1773 erschienen. Gegen Ende 1774 ging er auf eine Einladung des Markgrafen Friedrich von Baden nach Karlsruhe, lebte daselbst ein Jahr und kehrte dann, mit dem Hofratstitel und einem Jahrgehalt beschenkt, nach Hamburg zurück. Hier verheiratete er sich 1792 mit einer Verwandten und langjährigen Freundin, der verwitweten Johanna Elisabeth von Winthem, geb. Dimpfel, und starb am 14. März 1803. Er wurde im Dorf Ottensen bei Hamburg neben seiner ersten Gattin begraben,
Um Klopstocks Verdienst um deutsche Poesie, Literatur und Sprache annähernd würdigen zu können, muß man sich auf den Boden der Zeit stellen, welche er angehörte. Wie mit Luther eine neue Epoche der deutschen Sprache überhaupt beginnt, so beginnt mit Klopstock eine neuen Epoche der deutschen poetischen Sprache. Er befreite Deutschland von der Alleinherrschaft des Alexandriners, dem er den Hexameter entgegensetzte, als von einer hohlen, auf bloße Korrektheit und leeren Klang abzielenden Reimerei, welche er zugleich in seinen Oden durch geschickte Verwedsnung antiker Versmaße und Erfindung neuer ein heilsames Gegengewicht hielt.
Bei zunehmendem Alter verfing er sich allerdings in immer höherem Grade in der Einseitigkeit seiner Manier und gab in seinem späteren, der Form und Konstruktion nach überkünstlich verflochtenen Oden häufig wahrhafte Sprach- und Gedankenrätsel auf; dieser Vorwurf trifft jedoch nicht die Oden seiner früheren Epoche, in denen die Lebhaftigkeit seines Geistes und die Beweglichkeit seiner Empfindung deutlich sich aussprechen. Klopstock zuerst führte nach einer längeren Periode des Verfalls der deutschen Poesie wieder nationalen Stoff und Inhalt zu. Zu diesem Zwecke rief er in freilich unhaltbarer Weise die damals noch wenig gekannte und durchforschte nordische Mythologie zu Hilfe, um die nur äußerlich aufgefaßte griechische Mythologie aus der deutschen Dichtkunst immer mehr zu verdrängen und ihren Gebrauch zu beschränken. Zu eben diesem Zwecke stellte er Hermann den Cherusker als einen Nationalheros und Repräsentaten deutscher Freiheit und Unabhängigkeit auf; aus demselben Grunde pries er die deutsche Sprache in vielen seiner Oden als diejenige, welche sich nicht nur mit allen modernen Sprachen, sondern auch mit der lateinischen und griechischen vollkommen messen könne.
Den nordamerikanischen Unabhängigkeitskrieg, die ersten Anfänge der Französischen Revolution begrüßte er mit Enthusiasmus als die Morgenrotsstrahlen einer besseren Zeit und erhielt deshalb von der französischen Nationalversammlung das Bürgerdiplom; jedoch sprach er gegen die späteren Ausartungen der Revolution seinen Abscheu in kräftigen Oden aus und beklagte seine getäuschten Hoffnungen in origineller Weise.
Klopstocks Messias, der in der Geschichte der deutschen Poesie eine ganz neue Epoche bezeichnet, hat auch jetzt noch hohen poetischen Wert. Oft aus dem Epischen in den reinen Hymnus übergehend, angefüllt mit mancherlei Überschwenglichkeiten, ist er doch reich an wirksamen oratorischen Stellen und bekundet durchgehends eine große Fülle von Phantasie, ein wahrhaft religiöses Gefühl, einen mächtigen Schwung, welcher den Dichter freilich weit über alle Grenzen des Möglichen und Denkbaren hinausführt. Von geringerer Bedeutung sind seine Tragödien, in denen er Hermann den Cherusker feierte und die er selbst Bardiete (s. Barden) nannte; geradezu platt sind die Dramen, in welchen er altbiblische Stoffe dialogisierte.
Seine Fragmente über Sprache und Dichtkunst, seine Gelehrtenrepublik und seine Grammatischen Gespräche klärten viele Gegenstände er deutschen Grammatik und Poesie auf, wenn auch seine Neuerungen in der Wortschreibung, sowie überhaupt mehrere Grundsätze seines Stils nicht Beifall finden konnten.

