Kelten
Aus Encyclopaedia Germanica
Die Kelten (gr. Κελτοί, lat. Celtae) sind ein indogermanischer Völkerstamm, der, einst, über einen großen Teil Europas herrschend, heute fast überall seine Unabhängigkeit eingebüßt hat.
Der Name Kelten bezeichnet bei den Griechen bald die gesamte Völkergruppe, zum Teil selbst die Germanen mitbegreifend, bald einzelne Zweige derselben, während nach Cäsar nur die Stämme zwischen Garonna, Seine und Marne sich Celtae nannten.
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Geschichte
Gallier
Seit dem 3. Jh. v. Chr. tritt bei den Griechen als zweiter allgemeiner Name Galater (gr. Γαλάται) auf, dem bei den Römern der ebenso gebrauchte Name Gallier (lat. Galli) zur Seite steht. Letzterer wurde später auf die keltische Bevölkerung des trans- und cisalpinischen Galliens eingeschränkt; dem entspricht der heutige Gebrauch. Als Gesamtname gilt jetzt Kelten; Galater nennt man nur die in Kleinasien eingedrungenen Stämme.
Welsche
Den Germanen scheint der Name eines bedeutenden keltischen Stammes, der Volcae (german. Balh), als allgemeine Bezeichnung der Kelten gedient zu haben; sie haben ihn später auf alle südlichen nichtgermanischen Völker ausgedehnt; daher die Namen Walachen, Wales und das Adjektiv welsch (engl. welsh). Außer diesen Benennungen ist eine große Anzahl Namen einzelner keltischer Stämme und Staaten überliefert.
Als Stammland der Kelten erschein das transalpinische Gallien nebst den britischen Inseln; von dort gingen nach der von Livius aufbewahrten Sage die Eroberungszüge der Brüder Bellovesus und Segovesus aus, der eine nach Italien, der andere über den Rhein nach Süddeutschland.
Weites Siedlungsgebiet
Zur Blütezeit der Kelten, ist ihr Besitzstand wein sehr weitreichender; um 300 v. Chr. gehört ihnen außer Mittel- und Nordfrankreich und Britannien der größere Teil der Pyrenäischen Halbinsel, wo die Bewohner des südlichen Estremadura sowohl als des nördlichen Galicien Celtici genannt werden, während sie auf den Hochebenen beider Kastilien mit den Iberern vermischt das tapfere Volk der Keltiberer bilden; ferner das heutige Belgien und die Niederlande, die westlichen und südlichen Länder Deutschlands, die Schweiz und ein großes Stück von Norditalien, fast alle österreichischen Länder, und weiter ostwärts bis in die Dobrudscha dringend erreichen sie die Ufer des Schwarzen Meeres.
Von den östlichen Kelten aus ergossen sich namentlich im 3. Jh. vor Chr. die verheerenden Raubzüge über Mazedonien, Griechenland und Thrazien, wie der des Brennus nach Delphi 280. Von den illyrischen Kelten aus ist auch um 280 der Zug der Tolistobojer, Trokmer und Tektosagen nach Asien gegangen, die unter Attalus I. auf die Grenzen des Landes beschränkft wurden, das nach ihnen Galatien genannt wurde. Keltische Söldner erscheinen im Dienste der Karthager, der mazedonischen und asiatischen Könige.
Untergang
Der Untergang der keltischen Macht, durch die fortwährenden Fehden der einzelnen Stämme vorbereitet, erfolgte unter dem doppelten Druck von Süden und von Norden, der Römer, welche den eigenen Staat zu schützen, immer weiter erobernd vordrangen, und der erstarkenden Germanen, die sich gegen Süden vorschoben. Die Eroberung des keltischen Gebiets in Norditalien, 283 v. Chr. von den Römern begonnen, war gegen 191 beendet.
Unterwerfung durch die Römer
In Spanien war die Herrschaft der Kelten schon durch die Karthager 236-219 gebrochen; die Römer traten im zweiten Punischen Kriege an deren Stelle. Den ersten Krieg im transalpinischen Gallien führten die Römer um 125; im Jahr 51 war das ganze Land dem siegreichen Cäsar unterworfen. Augustus vollendete das Werk durch Unterwerfung der Kelten in Vindelicien, Rhätien, Noricum, Pannonien und Mösien; diejenigen, welche unter römischer Oberherrschaft ihre Nationalität wahrten, wurden später von den germanischen Einwanderern absorbiert.
Vordringen der Germanen
Über das Vordringen der Germanen in das keltische Gebiet fehlt nähere Berichte. Zu Cäsars Zeit waren sie bereits Herren des ganzen Gebietes zwischen Nordsee, Rhein und Donau. In Böhmen (Bojohemum) dem alten Wohnsitze der keltischen Bojer, gründete später der germanische Markomanne Marbod sein Reich.
Der große Teil der englischen Insel war gleichfalls 43-85 n. Chr. von den Römern unterworfen worden; und als das römische Reich im 5. Jh. die entlegene Provinz aufgegeben, wurde bald fast das ganze Land eine Beute der Angelsachsen. Auch das freie Wales und Irland, das sich nur mit Mühe der Herrschaft der nordischen Seefahrer erwehrt hatte, mußten sich im 12. Jh. dem Joche der neuen Herren Englands, der französischen Normannen beugen.
Sitten
Was die Alten von den Sitten und Gebräuchen der Kelten überliefert haben, wird vielfach durch die Erzählungen der altirischen Sagen bestätigt. Die Kelten werden als groß von Gestalt geschildert, meist mit blondem oder rötlichem Haar, als tapfer, lebhaft, leicht aufbrausend, großsprecherisch. Ihr erster Ansturm im Kampf war fast unwiderstehlich; wurde er aber überstanden, ließ der Mut bald nach. In der Kleidung der Kelten fielen den Römern Hosen (lat. bracae) und Kriegsmantel (lat. sagum) als eigentümlich auf.
Gemeinsam scheint den Keltern Betreibung des Bergbaues und die Metallarbeit gewesen zu sein. Das keltische Schwert, besonders das norische, war berühmt; eherne Steinmeißel, Schucksachen, besonders Armbänder, Glasarbeiten, Münzen sind in keltischen Gräbern in Frankreich und im südlichen Deutschland gefunden worden. In allen keltischen Staaten herrschte eine mächtige Aristokratie; das übrige Volk war geknechtet und hatte keine Stimme im Staate; über dem Adel, aber mehr oder weniger von ihm abhängig, stand bisweilen ein König.
Religion
Die keltische Religion war polytheistisch. In Gallien verschmolz ihr Götterhimmel bald mit dem römischen; Teutates wurde mit Mars, Belisama mit Minerva, Taranis (Donnergott) mit Jupiter identifiziert; Ogmius war Gott der Beredsamkeit, Epona Göttin der Pferdezucht. Auch Wälder, Bäume, Quellen, Flüsse, Städte wurden als Gottheiten verehrt; der Dienst der Mütter (matres, matrae, matronae) ist wahrscheinlich die Quelle des mittelalterlichen Feenglaubens. Für den Kultus sorgten die Druiden; sie waren nicht nur Priester sondern Wahrsager, Zauberer, Ärzte, Lehrer und besonders auch Richter.
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