Kaukasus
Aus Encyclopaedia Germanica
Der Kaukasus ist geographisch und ethnographisch eines der merkwürdigsten Hochgebirge der Erde. Er breitet sich auf der Grenze von Europa und Asien, seiner ganzen Natur nach aber zu letzterem gehörig, auf dem Isthmus zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer aus, im Norden begrenzt vom unteren Laufe des Kuban und Terek, im Süden vom Rion und der Kura.
Seine Länge in der Hauptrichtung Ostsüdost gegen Westnordwest, von der Halbinsel Apscheron oder von Baku am Kaspischen Meer bis zur Halbinsel Taman am Schwarzen Meer beträgt 1.125 km, seine von Osten gegen Westen abnehmende Breite mit den Vorbergen 225 km, der von ihm bedeckte Flächenraum nach Humboldts Berechnung 83.695 qkm.
Das Kaukasische Alpenland, aus mehreren in der Hauptrichtung des Ganzen streichenden Parallelketten bestehend, von Norden gegen Süden durchschnittlich 110 km breit, am breitesten ebenfalls im Osten, ist eine Gebirgsmasse von ganz eigentümlicher, plateauartiger Bildung. Der mittleren eigentlichen Hauptkette nämlich, welche einen aus Trachytmassen bestehenden, zusammenhängenden, steilen, 3000-3600 m hohen und nur von sehr wenigen Paßeinschnitten durchsetzten Kamm bildet und in ihrem mittleren Drittel die höchsten Gipfel des ganzen Gebirges trägt (den Kasbek 5043, den Dychtau 5160, den Kaschtantau 5219 und den Elborus 5652 m hoch), liegen terrassenförmige Hochflächen von 1300-1600 m mittlerer Höhe an, die durch schmale, tief eingerissene, von Steilwänden eingeschlossene und von wildern Gebirgswassern durchrauschte Talspalten fast bis auf den Grund durchfurcht sind.
Deshalb bieten auch hier die Täler im allgemeinen nicht, wie in anderen Hochgebirgen, Kulturcentra, nicht Förderungsmittel, sondern Hindernisse des Verkehrs, dessen Hauptstraßen fast immer über diese Hochflächen hinziehen. Dieselbe Terrainbildung wiederholt sich zu beiden Seiten der niedriegeren sekundären Parallelketten; daher die Beschwerlichkeit des Eindringens und der Schutz, den das Hochgebirge seinen kräftigen, freiheitliebenden Völkerstämmen verleiht.
Nur im mittleren Drittel, im Bereich der höchsten Gipfelerhebung, gibt es breitere Täler. Eben hier befand sich auch die sogenannte Militär- oder Tiflisstraße der Russen, welche von Mosdok an im Tal des Terek aufwärts durch den in der Nähe des Kasbek bis zu 2300 m aufsteigenden Paß von Wladikawkas, dann südwärts hinab in das Tal des Aragwi und so nach Tiflis an der Kura führt, von den Russen die Große Grusinische Heeresstraße genannt. Außer dieser zum Teil durch den Fels gesprengten, durch mehrere Festungswerke gedeckten Hauptpassage, wahrscheinlich der kaukasischen Pforte (Caucasiae pylae) der Alten, dient jetzt nur noch eine Straße zur Verbindung der Nord- und Südseite, die östliche Küstenstraße längs dem Kaspischen Meer durch den Paß von Derbent, die Porta Caspia oder Albania der Alten, nach Baku.
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Geologie
Die kaukasischen Vorberge der Nord und Südseite aus tertiärem Kalk, Mergelschiefer und Molasse bestehend, sind im Verhältnis zu der riesenhaften Masse des hohen Kaukasus sehr niedrig. Die einzige Ausnahme macht im Norden der Beschtau zwischen dem Terek und Kuban, eine isolierte Trachyt-Porphyrmasse, die mit steilen, zackigen Felsgipfeln bis zur Höhe von 1400 m aufsteigt, eine wahre Voralp, welche aber durch eine nur 400 m hohe Plateaufläche von dem Hochgebirge getrennt ist. Im Westen und Osten des Beschtau breiten sich zwischen dem Fuße des hohen Kaukasus und dem mittleren Laufe des Terek und Kuban klippige, von Felsschluchten durchfurchte, mit Wald und Weiden bedeckte Hochflächen aus, die Kabarden genannt, und zwar die Große Kabarda zwischen dem oberen Kuban und dem Terek, die kleine rechts vom oberen Terek.
Die südlichen Vorberge sind niedere, breitere und minder steile Vorstufen, welche das Land Georgien einnehmen und sanft in fruchtbare Täler abfallen, im Westen der Kuraquelle durch die Parallelketten der Meschijkischen Berge (Hauptgipfel Mozecha, 2660 m) mit dem Nordabfalle Armeniens in Verbindung stehen, im Osten dagegen durch das tief eingeschnittene, von breiten Steppenflächen umgebene Tal der Kura von demselben geschieden werden.
Der Kaukasus ist zwar ohne eigentliche Vulkane, aber reich an vulkanischen Erscheinungen aller Art. Schlammvulkane finden sich an seinen äußersten Enden, an der Kubanmündung auf der Halbinsel Taman, an der Kuramündung und auf der Halbinsel Apscheron. Unter den sehr zahlreichen kalten und heißen Mineralquellen des Kaukasus, meist Schwefel- und Eisenwässern, sind die sogenannten Kaukasischen Bäder oder die von Pjätigorsk in der Nähe des Beschtau die bekanntesten. Der minerale Reichtum des Kaukasus besteht hauptsächlich aus Metallen, wie Kupfer, Eisen, Gold (in geringer Menge), Silber und Steinsalz.
Die nördlichen Ausläufer des Elborus und Kasbek im westlichen Teil des Terskischen Kaukasus sind reich an silberhaltigem Blei; auch hat man reiche Lager von Brandschiefer und Lignit aufgefunden.
Flüsse
Die untere Grenze des ewigen Schnees liegt im westlichen Kaukasus 3347, im östlichen 3670 m hoch; die Masse desselben ist sowie die Ausdehnung der Gletscher verhältnismäßig nur gering. Deshalb ist der Kaukasus auch arm an Bewässerung durch bedeutendere Flüsse. Die namhaftesten Bergwasser vereinigen sich fast sämtlich in den fünf Hauptflüssen Kuban, Rion (Phasis der Alten) im Gebiete des Schwarzen, Kura, der Sulak und der Terek im Gebiete des Kaspischen Meeres.
Klima
Hinsichtlich der klimatischen Verhältnisse der Flora und Fauna bildet der Kaukasus eine scharfe Grenze zwischen dem Norden und Süden; seine Alpenhöhe hält die entgegengesetzten Luftströmungen ab und hindert dadurch die Ausgleichung der Gegensätze. Die Alpen selbst mit ihrer rauhen Luft haben fast nordische, die nördlichen Vorberge eine der mitteleuropäischen ähnliche, beide aber wegen geringer Befruchtung eine keineswegs üppige Vegetation.
Reicher und üppiger ist dieselbe auf den südlichen Abfällen und Vorbergen, wo die mitteleuropäischen Obstarten und der der Nordseite ganz fehlende Wein wild, Reis, Maulbeeren, Kastanien, Feigen, Mandeln, Baumwolle, Krapp, Safran und andere südeuropäische Produkte fast ohne Pflege gedeihen.
Waldungen fehlen auf weiten Strecken des Hauptgebirges gänzlich, während in anderen Bereichen, namentlich längs dem Schwarzen Meer und auf den Sekundärgebirgen, die herrlichsten Urwaldungen von Eichen, Buchen, Eschen, Ahorn und Nußbäumen sich ausbreiten.
Völker
Wie durch großartige und reiche Naturverhältnisse, so ist der Kaukasus auch eins der merkwürdigsten Gebirge der Erde in ethnographischer Beziehung (s. Kaukasische Bergvölker), teils auch in historischer Beziehung seit der Zeit der Sagen und Mythen (z.B. vom Goldenen Vlies, vom Promotheus usw.) herab bis auf die neueste Zeit.
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