Pfeffel, Gottlieb Konrad
Aus Encyclopaedia Germanica
Gottlieb Konrad Pfeffel (* 1736 in Colmar; † 1809) war ein elsässischer Schriftsteller und Dichter.
Leben und Werk
Gottlieb Konrad Pfeffel studierte in Halle. Mit 22 Jahren verlor er das Augenlicht. Ärzte und Mediziner waren machtlos. Seiner Verlobten sandte der völlig erblindete Pfeffel den Verlobungsring zurück, den sie jedoch nicht annahm, sondern Pfeffel heiratete. Sie durfte sich mit ihm der großen Erfolge seiner Schriftstellerei erfreuen, besonders seine Fabeldichtungen wurden in viele Lesebücher aufgenommen und machten Pfeffel bekannt. Eine, „Vom Ochs und Esel“, illustriert den Humor des Dichters:
Ochs und Esel zankten sich
Beim Spaziergang um die Wette,
Wer am meisten Weisheit hätte:
Keiner siegte, keiner wich.
Endlich kam man überein,
Daß der Löwe, wenn er wollte,
Diesen Streit entscheiden sollte;
Und was konnte klüger sein?
Beide reden tief gebückt
Vor des Tierbeherrschers Throne,
Der mit einem edlen Hohne
Auf das Paar herunterblickt.
Endlich sprach die Majestät
Zu dem Esel und dem Farren:
„Ihr seid alle Beide Narren“ -
Jeder gafft ihn an und geht.
Pfeffel schrieb allein 25 Dramen, seine Werke in Poesie und Prosa füllen zehn Bände. Auch Romane und Novellen zählen dazu. Pfeffels Literatur entspricht dem Geschmack der Zeit der Aufklärung: „Gefühle und Rührungen sind sehr verbreitet. Tränen werden massenhaft vergossen, Ohnmachten gehören zu den regulären Lebenserscheinung“. Pfeffel selbst dichtete einmal:
Sei stolz, o Freund, auf dein empfindsam Herz;
Ist es gleich oft gefährlich für die Jugend,
So schmilzt es auch bei unserer Brüder Schmerz;
Empfindsamkeit ist das Genie der Tugend.
In seiner Geburtsstadt Colmar gründete Pfeffel eine für Evangelische bestimmte „Kriegsschule“, d. i. eine akademische Erziehungsanstalt. Mehrere von Pfeffel gedichtete evangelische Kirchenlieder werden noch immer gesungen.
In bezug auf die Französische Revolution äußerte sich Pfeffel spöttisch-ablehnend. Über den Diktator Maximilien de Robespierre, der - im Zuge der quasireligiösen Überhöhung der „Vernunft“ - die Anbetung eines „höchsten Wesens“ anordnete, dichtete Pfeffel:
Darfst, lieber Gott, nun wieder ein;
So will's der Schach der Franken.
Laß flugs durch ein paar Engelein
Dich schön bei ihm bedanken.

