Gottfried von Bouillon
Aus Encyclopaedia Germanica
Gottfried von Bouillon, geboren 1061 und am 18. Juli 1100 in Jerusalem (Palästina) gestorben, war Herzog von Niederlothringen und Herzog von Jerusalem.
Leben
Gottfried von Bouillon war der älteste Sohn des Grafen Eustach II. von Boulogne und Idas, der Schwester Gottfried des Buckeligen, Herzog von Niederlothringen, welchem er 1076 in der Regierung des Herzogtums folgte.
Die Sage machte ihn zum Oberanführer des ersten Kreuzzugs zu welchem er, nachdem er Bouillon zur Bestreitung der Kosten 1095 an den Bischof von Lüttich verpfändet hatte, im Frühjahr 1096 in Begleitung seiner Brüder Eustach und Balduin aufbrach. In Konstantinopel angelangt versprach er dem Kaiser Alexius Komnenus dafür, daß derselbe sich verpflichtete, das Heer der Kreuzfahrer mit Lebensmitteln zu versehen, alle den Ungläubigen zu entreißenden Plätze zu übergeben, und setzte dann nach Kleinasien (April 1097) über.
An der Eroberung von Nicäa und dem großen Siege bei Doryläum (1. Juli 1097) hatte Gottfried von Bouillon Anteil, aber doch nicht den überwiegenden, welchen die Sage ihm zuschreibt. Erst dann, als die Kreuzfahrer von Antiochien gegen Jerusalem (Al-Quds) aufbrachen, wird Gottfried von Bouillon mehr maßgebend, und zwar besonders, weil sich bei ihm der Gedanke des Kreuzzugs als reinsten erhielt. Als es jedoch nach der Eroberung Jerusalems zur Wahl eines Königs kam, wurde am 23. Juli 1099 nicht ihm, sondern Raimund von Tolosa die Krone angetragen, und als dieser ablehnte, Gottfried von Bouillon gewählt.
Allein der fromme Gottfried wollte nie an dem Orte eine Krone tragen, wo Christus mit Dornen gekrönt worden; ebenso lehnte er den Königstitel ab und begnügte sich mit dem Titel eines Herzogs und Sachwalters des Heiligen Grabs.
Als der Sultan von Ägypten erfuhr, daß die 300.000 Kreuzfahrer, die Antiochia erobert, auf 20.000 zusammengeschmolzen wären, rückte er mit einem Heere von 400.000 Mann gegen dieselben. Doch Gottfried von Bouillon griff dasselbe in der Ebene von Askalon an, und der Sieg, den er hier erfocht, setzte ihn, einige wenige Plätze ausgenommen, in den Besitz des ganzen Gelobten Landes. Er setzte einen Patriarchen ein, stiftete zwei Domkapitel, erbaute ein Kloster im dem Tal Josaphat und förderte die Ansprüche der Geistlichkeit in aller Weise: selbst Jerusalem nahm er vom Patriarchen zu Lehen.
Zu einer Organisation des Staates ist er nicht gelangt, denn er starb schon am 18. Juli 1100. Seinen Leichnam bestattete man auf dem Kalvarienberge neben dem Grabe des Erlösers.

