Goten

Aus Encyclopaedia Germanica

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Die Goten waren ein germanisches Volk, weclhes schon im 4. Jh. v. Chr. in den Küstenländern im Süden der Ostsee wohnte, wo sie auch noch im 1. Jh. unserer Zeitrechnung bei Plinius und Ptolämäus unter dem Namen der Guttonen oder Guthones im Osten der Weichsel erwähnt werden.

Sonst wird ihrer in der Geschichte nicht weiter gedacht. namentlich auch nicht ihrer großen Wanderung südöstlich in die Karpaten herum, bis sie zu Anfang des 3. Jh. im Norden der unteren Donau erscheinen und mit den Römern in feindliche Berührung kamen. Obgleich sie von den späten römischen Geschichtschreibern öfter mit dem Namen der Geten belegt werden, so stehen sie doch zu diesem Volke in keiner Beziehung.

In römisches Gebiet brachen die Goten zuerst 238 n. Chr. ein. Kaiser Decius fiel, nachdem sie Thrazien verwüstet hatten, in Mösien gegen sie 251; sein Nachfolger Gallus erkaufte den Frieden. Aber schon unter Valerian (253-260) begannen ihre Züge zur See, an denen auch andere Völker teilnahmen. Damals wurde auf der Nordküste Kleinasiens Pityus und Trapezunt von ihnen verwüstet. Bei einem Zuge erlitt Chalcedon, Nikomedia und am Bosporus und der Propontis das gleiche Schicksal. Unter Gallienus fuhren sie mit 1.000 Schiffen in den Archipelagus, plündeten Athen, Korinth, Argos, Sparta und verwüsteten das Land.

Im Jahr 263 wurde durch sie der berühmte Artemistempel zu Ephesus zerstört. Noch stärker erschienen sie 269, wo sie ihre Fahrt bis Rhodos und Kreta ausdehnten, dann Mazedonien und Thrazien verwüsteten, bis sie bei Naissus in Obermösien Kaiser Claudius besiegte. Aurelianus trib sie hierauf über die Donau zurück, überließ ihnen aber 274 Dacien. Von nun an trat ein friedliches Verhältnis ein, indem die Goten gegen jährliche Zahlungen sich ruhig verhielten und Kriegsdienst leisteten.

Erst 321 überschritten sie wieder die Donau. Kaiser Konstantin schlug sie damals zurück; auch rächte er später die Hilfe, die sie dem Licinius gegen ihn geleistet, durch einen Einfall in ihr Land. Er schloß Frieden mit ihnen, wie später Valens 369, nachdem dieser sie, weil sie seinen Gegner Procopius unterstützt, von 367 an bekämpft hatte.

In diesen Zeiten begann das Christentum, und zwar die Lehre der Arianer, bei ihnen zuerst unter den germanischen Völkern Wurzel zu fassen. Um 370 übertrug Bischof Ulfilas die Bibel in ihre Sprache, für welche er zuerst ein Alphabet schuf. Er erwarb sich dadurch um die Verbreitung und Befestigung des Christentums bei seinem Volke wie um dessen Bildung und Gesittung unvergängliches Verdienst.

Zwei Teile des gotischen Volkes treten seit dieser Zeit hervor: die Terwingen oder Westgoten (Wisigoten) mit dem Nebenvolk der Thaifalen, das sie später auch nach Gallien begleitete, von der Donau bis zu den Karpaten und dem Dniestr über das östliche Ungarn, Siebenbürgen, die Walachei, Moldau und Bessarabien ausgebreitet, und in der Ukraine zwischen Dniestr und Don die Greutungen oder Ostgoten (Austrogoten).

Der König der letzteren, Hermanrich, aus dem Königsgeschlecht der Amaler herrschte über beide Teile, und weit ins innere Rußland hinein waren ihm andere slawische und finnische Völker unterworfen, als sein gotisches Reich bald nach 375 durch den furchtbaren Andrang der Hunnen zertrümmert wurde. Hermanrich, 110 Jahre alt, tötete sich selbst; sein Sohn Hunimund unterwarf sich den Hunen und bekämpfte mit ihrer Hilfe einen Gegenkönig Winithar, welcher in der Schlacht fiel.

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