Elsaß (Region)

Aus Encyclopaedia Germanica

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Region Elsaß
Landesflagge Landeswappen
Flagge_Elsass.jpg Wappen_Elsass.gif
Basisdaten
Hauptstadt: Straßburg
Fläche: 8.280 km²
Einwohner: 1.734.145
Weltnetzseite:
Politik
Ministerpräsident: Adrien Zeller (UMP)
Regierende Parteien: Koalition aus UMP und UDF

Die Region Elsaß (frz. Région Alsace) ist eine französische Verwaltungseinheit, welche sich aus den deutschen Bezirken Unterelsaß sowie Oberelsaß zusammensetzt. Ihre Hauptstadt ist Straßburg und sie grenzt im Norden und Osten an die Bundesrepublik Deutschland und im Süden an die Schweiz.

Das Elsaß ist die flächenmäßig kleinste Region auf dem französischen Festland und weist auf Grund seiner engen Geschichte mit Deutschland gegenüber den anderen Regionen Frankreichs starke Eigenheiten, vor allem im kulturellen Bereich, auf.

Inhaltsverzeichnis

Erdkunde

Die Region Elsaß hat eine Größe von 8.280 km². Es hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von 190 Kilometern, während die West-Ost-Ausdehnung nur 50 Kilometer beträgt. Im Osten wird das Elsaß durch den Rhein begrenzt, im Westen durch den Hauptkamm der Vogesen.

Sie grenzt im Norden an die Pfalz, im Osten an Baden, im Süden an die Schweizer Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Solothurn und im Südwesten an die Freigrafschaft sowie im Westen an Lothringen.

Im Elsaß finden sich drei unterschiedliche Landschaftstypen:

  • Im Osten liegt die elsässische Ebene, die mit Baden den südlichen Teil des Oberrheingrabens bildet. Sie wird von der Ill durchflossen und ist von Getreideanbau geprägt. Es gibt noch große Waldgebiete wie den Hagenauer Forst im Norden und den Hardter Wald im Süden.
  • Im Westen wird das Landschaftsbild von den Vogesen dominiert, die von den breiten Tälern der Illzuflüsse durchzogen sind. Hier findet man Hochweiden, die sich mit Wäldern abwechseln. Der Große Belchen ist der höchste Berg im Elsaß.
  • Die Hügel der Untervogesen verbinden die oben genannten Landschaftstypen. Typisch für dieses Piemont der Vogesen sind die elsässischen Weinberge.

Wirtschaft

Die Region Elsaß hat einen Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 20.750 Euro pro Einwohner. Im Vergleich mit dem BIP der EU ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreicht die Region einen Index von 107,2 (EU-25: 100) (2003). <ref>Eurostat News Release 63/2006: Regional GDP per inhabitant in the EU 25[1] </ref>

Das Elsaß ist eine Region, in der viele Wirtschaftszweige ansässig sind:

Das Elsaß ist wirtschaftlich stark international ausgerichtet: an etwa 35% der Unternehmen im Elsaß sind ausländische Firmen aus der BRD, der Schweiz, den USA, Japan und Skandinavien beteiligt.

Im Jahr 2002 kamen rund 38,5 % der elsässischen Importe aus der BRD. Die dortige Krise auf dem Arbeitsmarkt hat sich auch auf das Elsaß übertragen. Bisher von hohen Arbeitlosenzahlen verschont geblieben, hat sich dies mittlerweile geändert und die Zahlen stiegen stark (+20% zwischen März 2002 und März 2003 auf 6,8%). Verursacht wurde dies durch die wirtschaftliche Krise der Industriebetriebe, in denen 26% der Elsässer beschäftigt sind. Die elsässische Wirtschaft versucht sich daher umzuorientieren und neue Arbeitsfelder auf dem Dienstleistungssektor und in der Forschung zu erschließen.

Im Bergbau, der ein Jahrhundert lang rund 560 Millionen Tonnen Kalisalz gefördert hat, arbeiteten noch im Jahr 1950 etwa 13.000 Beschäftigte. Heute ist der Bergbau nur noch Thema eines Museums bei Wittelsheim.

Das Elsaß ist eines der größten europäischen Anbaugebiete für Weißkraut, das zu Sauerkraut weiter verarbeitet wird.

Seit dem Mittelalter spielte auch der Flachsanbau und die Leinenweberei insbesondere in der Gegend um Colmar eine große Rolle. Ein typisch elsässisches Leinengewebe ist der karierte Kelsch.

Geschichte

1973 wurde aus den Bezirken Oberelsaß und Unterelsaß die Verwaltungsregion Elsaß (Région Alsace) geschaffen. 1976 erhielt die Region Elsaß zwar eine kulturelle, allerdings keine sprachliche Autonomie. Nach wie vor gilt auch für die deutschsprachigen Elsässer das Französische als alleinige Amts- und Schulsprache. Die Zahl der Einheimischen (Altansässigen), die heute noch ihren deutschen Dialekt, das Elsässische, beherrschen, ist seit Jahren rückläufig. Auch leben inzwischen im Elsass viele Ausländer mit französischer oder einer anderer Muttersprache.

Das Elsaß mit seiner Landeshauptstadt Straßburg ist mittlerweile Sitz des EU-Parlamentes und zu einer bedeutenden Region in der EU und in Europa geworden. Durch das Schengener Abkommen wurden die Grenzkontrollen zwischen der BRD und der Französischen Republik abgeschafft, so daß die gefühlte Distanz zwischen Elsass und Baden reduziert wurde. Auch durch die engen wirtschaftliche Verflechtungen innerhalb der Regio Basiliensis und Kontakte in die Deutschschweiz ist insbesondere das südliche Elsaß doch wieder näher an den deutschen Sprachraum gerückt.


Städte

Die größten Städte der Region (mehr als 15.000 Einwohner im Jahr 1999) sind:

Kreise

Bezirk Unterelsaß

Bezirk Oberelsaß

Verkehr

Straßennetz

Die wichtigste Straßenverbindung im Elsaß ist die mautfreie Autobahn A35, sie ist die Nord-Süd-Verbindung von Lauterburg bis Birsen (auch St. Ludwig) bei Basel. Südlich von Straßburg verläuft die A35 auf einer kurzen Strecke als Nationalstraße, wobei geplant ist, diese Lücke zu schließen.

Die vielbefahrene A 4 führt von Straßburg nach Zabern und weiter bis Paris. Sie ist ab der Mautstelle bei Hochfelden (20 km nordwestlich von Straßburg) mautpflichtig. Die A 36 führt von der bundesdeutschen A 5 vom Autobahndreieck Neuenburg aus nach Westen in Richtung Paris/Lyon und wird ab der Mautstelle bei Burnhaupt mautpflichtig.

In den 1970er und 1980er Jahren wurden die Autobahnen in Transitstrecken und in Ausfallstraßen für die großen Ballungsgebiete umgewandelt. Seitdem fließt der Durchgangsverkehr in 2 bis 3 Fahrspuren in 1 km Entfernung um Straßburg und in 1,5 km Entfernung um Mülhausen herum. Die hohe Verkehrsdichte verursacht starke Umweltbelastungen, das gilt vor allem auf der A 35 bei Straßburg mit 170.000 Fahrzeugen pro Tag (Stand: 2002). Auch der starke Stadtverkehr auf der A 36 bei Mülhausen hat regelmäßig Verkehrsbehinderungen zur Folge. Dies konnte nur vorübergehend durch den Ausbau auf drei Fahrspuren pro Richtung vermindert werden.

Um den Nord-Süd-Durchgangsverkehr aufzunehmen und Straßburg zu entlasten, plant man eine neue Autobahntrasse westlich der Stadt. Diese Trasse soll das Autobahndreieck bei Hördt im Norden mit Innenheim im Süden verbinden. Die Eröffnung ist auf Ende 2011 angesetzt. Man erwartet dann ein Verkehrsaufkommen von 41.000 Fahrzeugen pro Tag. Der Nutzen ist jedoch umstritten, nach einigen Schätzungen wird die neue Trasse nur 10 % des Verkehrsaufkommens der A 35 bei Straßburg aufnehmen.

Hinzu kommt wegen der Einführung der Lkw-Maut in Deutschland 2005 eine erhebliche Zunahme des zuvor über die deutsche A5 gefahrenen Lastverkehrs auf die parallel verlaufende und mautfreie elsässische Autobahn. Daher forderte Anfang 2005 Adrien Zeller, der Präsident der Region Elsaß, die Ausweitung des deutschen Mautsystems Toll Collect auf die elsässische Strecke.

Eisenbahnnetz

Da die Vogesen nur über die Zaberner Steige, die Burgundische Pforte und einige weniger zugängliche Pässe überwindbar sind, gibt es verschiedene Projekte, das Elsaß besser Westeuropa anzuschließen:

  • Der TGV Ost von Paris nach Straßburg; (im Bau, Fertigstellung gegen 2007)
  • Der Rhein-Rhône-TGV von Dijon nach Mülhausen (Baubeginn ab 2006)
  • Eine Verbindung mit dem deutschen ICE über Kehl
  • Die Stadtbahn von Mülhausen, die bereits in Bau ist, und von Straßburg (2011)

Der Vogesentunnel von Markirch nach St-Didel war bis 1973 ein Eisenbahntunnel. Seit 1976 ist er als Mautstrecke dem Straßenverkehr vorbehalten. Der Tunnel ist von 2004 bis 2007 zur Erweiterung der Sicherheitsvorrichtungen gesperrt.

Wasserstraßen

In den elsässischen Häfen werden über 15 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen. Drei Viertel davon entfallen auf Straßburg. Die Erweiterung des Rhein-Rhône-Kanals, der die Rhône und damit das Mittelmeer mit dem mitteleuropäischen Flußnetz (Rhein) und damit der Nordsee und der Ostsee verbindet, wurde 1998 wegen der Kosten und der Zerstörung der Landschaft, vor allem im Tal des Doubs, eingestellt.

Flugverkehr

Es gibt im Elsaß zwei internationale Flughäfen:

Beide Flughäfen hatten zusammen 1998 ein Aufkommen von 5.155.380 Passagieren.

Die deutsche Sprache der Elsässer

Seit der alemannischen und fränkischen Besiedelung im frühen Mittelalter wurde im Elsaß mehrheitlich Elsässerdeutsch gesprochen. Dieser alemannische Dialekt weist – wie jeder deutsche Dialekt – große regionale Unterschiede auf, insbesonders zwischen Nord (Straßburg) und Süd (Mülhausen).

Nach der Eroberung des Elsass durch französische Truppen 1639 blieb die deutsche Sprache bzw. die elsässische Mundart bis zur Zeit der Französischen Revolution die beherrschende Umgangssprache. Nach der Französischen Revolution änderte sich die Sprachpolitik des französischen Staates, der danach für Frankreich die sprachliche Einheit propagierte. So drang die französische Sprache insbesondere in Straßburg sowie in bürgerlichen Kreisen der anderen Städte vor. Auf dem Land dagegen konnten die Maßnahmen der französischen Staatsmacht die Mundart nicht grundlegend ändern. Hier breiteten sich allenfalls französische Wörter aus, wie auch sonstwo im übrigen deutschen Sprachraum, die jedoch in den meisten Fällen der angestammten alemannischen Grammatik und Betonung unterworfen wurden.

Mit der Rückkehr des Elsaß an das Deutsche Reich 1871 wurde Hochdeutsch wieder als Amtssprache eingeführt. Die Sprachenfrage wurde in einem Gesetz vom März 1872 zunächst so geregelt, daß grundsätzlich die amtliche Geschäftssprache deutsch war, jedoch in den Landesteilen mit überwiegend französischsprechender Bevölkerung den öffentlichen Bekanntmachungen und Erlassen eine französische Übersetzung beigefügt werden sollte. In einem weiteren Gesetz von 1873 wurde für die Bezirksverwaltungen von Lothringen und die Kreisverwaltungen derjenigen Kreise, in denen die französische Sprache ganz oder teilweise Volkssprache war, der Gebrauch des Französischen als Geschäftssprache zugelassen.

In einem Gesetz über das Unterrichtswesen von 1873 wurde geregelt, daß in den Gebieten mit Deutsch als Volkssprache diese auch ausschließliche Schulsprache war, während in den Gebieten mit überwiegend französischsprechender Bevölkerung der Unterricht ausschließlich in französischer Sprache gehalten werden sollte.

Als das Elsass 1918 von Frankreich erneut annektiert wurde, änderte der französische Staat diese liberale Sprachregelung und kehrte zu einer restriktiven Sprachpolitik zurück. In Schulen und Verwaltung wurde ausschließlich die französische Sprache zugelassen, zeitweise wurde bei Strafe verboten, Elsässisch (oder Hochdeutsch) zu sprechen. Ziel dieser Politik war, die elsässische Mundart (ebenso wie die anderen Sprachen in französisch besetzten Gebieten wie Bretonisch, Korsisch oder Okzitanisch) systematisch durch die französische Hochsprache zu verdrängen. Als Folge dieser Politik ist Elsässerdeutsch heute vom Aussterben bedroht.

In den Schulen wird die standarddeutsche Schriftsprache überwiegend als eine Fremdsprache unterrichtet und ansonsten Französisch. In zweisprachigen Schulen wird der Unterricht allerdings in Standarddeutsch gehalten. Im September 2003 besuchten 13.000 Kinder im Elsass diese zweisprachige Schulform. Die Mehrheit der älteren deutschen Generation spricht umgangssprachlich weiterhin ihre elsässische Mundart; die jüngeren Generationen, insbesondere in den größeren Städten, sprechen vorwiegend Französisch, was aber auch auf eine stärkere Durchmischung der Bevölkerung und intensivere Kontakte zu anderen französischen Zentren zurückzuführen sein dürfte.

Nach Angaben des in Straßburg ansässigen „Amts für Sprache und Kultur im Elsass“ (Office pour la Langue et Culture d’Alsace – OLCA) sprechen noch 600.000 Menschen Elsässerdeutsch. Vor allem im ländlichen Raum, in Dörfern und kleineren Städten, leistet die regionale Sprachkultur noch Widerstand gegen das Verschwinden der elsässischen Mundart. Unter dem Motto "E Friehjohr fer unsri Sproch" finden sich seit 2001 Theater- und Musikgruppen, Mundartdichter, Heimatvereine und Sprachpfleger zusammen, um Werbung für den Erhalt des Elsässischen zu machen. Zudem subventioniert der Regionalrat Kurse in Elsässerditsch.

Intellektuelle, u.a. Liedermacher und Dichter beschreiben die Tragödie des langsamen Aussterbens der elsässischen Mundart (siehe auch dort).

Kulinarische Spezialitäten

Siehe auch

Zeitungen, Zeitschriften, Periodika

Literatur

Verweise

Persönliche Werkzeuge