Elbe
Aus Encyclopaedia Germanica
Die Elbe (lat. Albis, tschech. Labe) ist einer der Hauptströme Deutschlands und der wichtigste Fluß Norddeutschlands. Sie entsteht in Böhmen aus dem Zusammenstoß zahlreicher Bäche, die auf dem Kamm des Riesengebirges von dem Großen Rad bis zur Schneekoppe entspringen.
Zwei dieser Bäche werden indes als die Hauptquellen der Elbe betrachtet: das Weißwasser, welches am Brunnberg unweit der Schneekoppe auf der sog. Weißen Wiese (1400 m über dem Meer) entspringt, durch den Teufelsgrund in den Weißwassergrund über nackte Granitbänke hinabeilt, und der Elbseifen oder Elbbach, der, an 15 km vom Ursprung des vorigen entfernt, südlich unter dem Großen Rad aus den zahlreichen Quellen der Elbwiese entsteht.
Mit andern Quellen bereinigt, stürzt der Elbseifen als 20 m hoher Elbfall in den tief eingeschnittenen Elbgrund und vereinigt sich bald mit dem doppelt so starken Weißwasser, worauf der Fluß den Namen Elbe annimmt (680 m über dem Meer). Der so entstandene Fluß wendet sich nun nach Süden, durchbricht den südlichen oder böhmischen Kamm des Riesengebirges und stürzt durch eine tiefe Wildnis zwischen steilen, meist mit Nadelholz bewachsenen Wänden tosend den Gebirgsabhang hinunter. Bei Hohenelbe (455 m) tritt er aus dem Gebirge, und das bis dahin 40 m auf 1 km betragende Gefälle mäßigt sich. Von hier an ist die Elbe wasserreich genug, um zum Holzflößen zu dienen.
Von Hohenelbe fließt sie 75 km weit zuerst nach Südosten, dann nach Süden und empfängt auf dieser Strecke von links her die Aupa und Metau (zwischen Jaromir und Josephstadt) und die Adler (bei Königgrätz). Die Ufer sind nun flach geworden. Am Südrand des Elbkessels bei Pardubitz wird aus der Südrichtung des Flusses eine westliche und oberhalb Brandeis, nachdem die Iser zugeflossen ist, eine nordwestliche.
Bei Melnik vereinigt sich die Elbe mit der Moldau, dem eigentlichen Hauptfluß Böhmens, wodurch sie schiffbar wird, und weiterhin bei Leitmeritz nimmt sie die Eger auf. Nicht weit unterhalb der Egermündung, von Lobositz an, werden die Ufer hoch und felsig und das Tal eng; der Fluß beginnt zwischen dem Mittelgebirge durchzubrechen, und die Talsenke nimmt ihren Anfang, die erst am Ausgang des sächsischen Berglandes, bei Meißen, völlig endigt. Auf dieser Strecke geht dem Fluß noch in Böhmen links die Biela, der Scheidefluß zwischen Mittel- und Erzgebirge (bei Aussig), rechts der Polzen (bei Tetschen) zu.
Von Aussig an nach einer starken Krümmung in nördlicher Richtung fließend, erreicht die Elbe bei Herrnskretschen die böhmische Grenze und tritt, das Elbsandsteingebirge durchbrechend, in Sachsen ein. Ihre Breite beträgt hier bereits 130 m. In nordwestlicher Hauptrichtung, aber mehrfach gewunden, durchfließt sie hier zunächst die sog. Sächsische Schweiz, wo sich hinter den Wiesen und Nadelwäldern des schmalen Tals die steilen Sandsteinwände fast bis zu 300 m Höhe erheben, und tritt dann, 216 m breit, in den Talkessel von Dresden.
Der Strom empfängt auf dieser Strecke rechts die Sebnitz und Wesenitz, links die Müglitz und Weißeritz. Das Elbtal unterhalb Dresden bis Meißen, wo links die Triebisch mündet, ist noch immer ein Durchbruchsthal mit bedeutenden Uferwänden.
Darauf tritt der Fluß in das Tiefland und strömt, die nordwestliche Richtung beibehaltend, bis gegen Wittenberg hin in breitem, flachem Tal mit niedrigen Ufern. Seine Breite beträgt bei Torgau 316 m. Das Gefälle ist bis Wittenberg noch immer bedeutend, da der Strom von Meißen bis unterhalb Strehla, wo er in Sachsen-Anhalt eintritt, noch 2,5 m, von hier bis Wittenberg 1,7 m auf der Strecke von 7,5 km fällt. Noch oberhalb Wittenberg, da, wo die Schwarze Elster mündet, wendet sich der Strom, von dem herantretenden unbedeutenden Hochrücken des Fläming gedrängt, auf eine Strecke von 60 km (bis Aken) nach Westen; aber von Aken bis Magdeburg, 38 km weit, fließt er wieder in nordwestlicher Richtung.
Bei Magdeburg, das als bedeutsamer Punkt des Elblaufs hervortritt, ist er 242 m breit. Die Richtung wird von hier an bis zur Havelmündung nordnordöstlich, und unterhalb der Stadt durchsetzen zum letztenmal Felsenriffe (von Rotliegendem) das Flußbett. Von Tangermünde (32 m über dem Meer) an abwärts beginnt in der Elbe Inselbildung. Die Uferränder des Stroms sind noch immer erhöht; bald ist das linke, bald das rechte Ufer das beherrschende.
An Nebenflüssen empfängt die Elbe auf der Strecke von Wittenberg bis zur Havelmündung: links die Mulde, Saale und Ohre; rechts die Ehle, Ihle, den Plaueschen Kanal, der die Havel mit der Elbe verbindet, und die Havel selbst. Von der Havelmündung (22 m über dem Meer) an verfolgt der Strom wieder die nordwestliche Hauptrichtung und durchfließt, über 500 m breit, erst in gewundenem Lauf, dann langgestreckt die Senke zwischen dem Landrücken der Lüneburger Heide und dem Mecklenburger Seenplateau.
Der Wasserspiegel liegt bei Wittenberge 20, bei Lauenburg 5 und bei Hamburg noch 1 m über dem Meer. Oberhalb Hamburg beginnt er sich zu teilen. Der stärkste, südliche Arm zerspaltet sich oberhalb Harburg in die Süderelbe und die nach Norden und bei Hamburg vorbeigehende Norderelbe, die von Südosten. die Dove- und Goseelbe aufnimmt, welche die Gewässer aus den Vierlanden ableiten. Das Gebiet zwischen Harburg und Hamburg ist ein Gewirr von Flußarmen und Flußinseln. Endlich bei Blankenese, sind alle Arme wieder vereinigt, und der Strom ist 3 km breit.
Weiter abwärts erweitert er sich immer mehr: so beträgt seine Breite unterhalb Brunsbüttel 7 km und an der Mündung bei Cuxhaven 15 km. Doch hat bei der Menge der Sandbänke und Untiefen das eigentliche, 7,5-9 m tiefe Fahrwasser nur eine geringe Breite und ist sorgsam bezeichnet. Die Flut steigt 165 km weit in die Elbe hinauf, bis Geesthacht oberhalb Hamburg bei und in Hamburg ist dieselbe 1,8 m, bei Cuxhaven 3 m hoch. Der Seeschiffe tragende Niederhafen Hamburgs hat bei der Ebbe 2,5-6, bei der Flut 4,5-7 m Wasser. Auf der untersten Strecke der Elbe (von der Havelmündung an) gehen derselben zu: rechts die Stepenitz, Elde, Bille, Alster und Stör (bei Wevelsfleth); links der Aland, die Jeezel, Ilmenau und Oste.
Die gesamte Länge der Elbe beträgt 1165 km, wovon etwa 300 km auf Böhmen und 124 auf Sachsen kommen; die schiffbare Strecke von Melnik in Böhmen ab beträgt 842 km, für Seeschiffe ist die Elbe bis Hamburg hinauf 135 km schiffbar. Ihr Stromgebiet umfaßt 143,327 qkm, wovon 96,300 qkm auf Deutschland kommen.
Die Elbe ist sehr fischreich, teils an Seefischen, die aus der See heraufkommen, um zu laichen, teils an Flußfischen, unter welchen Hausen, Welse, vorzügliche Lachse, Neunaugen, Hechte, Aale, Schnepel, Sandarte, Weißfische etc. die bemerkenswertesten sind.

