Danzig
Aus Encyclopaedia Germanica
| Wappen | |
|---|---|
| Bild:Wappen Danzig.jpg | |
| Basisdaten | |
| Staat: | Deutschland |
| Bundesland: | Westpreußen |
| Bezirk: | Danzig |
| Kreis: | kreisfreie Stadt |
| Einwohner: | 256.403 (1929) |
Danzig ist die Hauptstadt der preußischen Provinz Westpreußen und des Regierungsbezirks Danzig. Sie liegt an dem Einflusse der kurz vorher durch die Radaune verstärkten Mottlau in die Weichsel, etwa 4 km von der Danziger Bucht, einer weiten halbmondförmigen Einbiegung der Ostsee, welche in ihrem westlichen Teile, durch die angrenzenden Höhenzüge und durch die Halbinsel Hela gegen die Einwirkung der Stürme geschützt, den Schiffen eine sichere Reede bietet. Die Weichsel, welche sich bis zum Jahre 1840 in dieser Bucht bei Weichselmünde ergoß, hat sich in dem genannten Jahre 8 km oberhalb Danzigs bei Neufähr durch einen Dünendurchbruch einen neuen Ausfluß in die Ostsee geschaffen und dadurch die 12 km lange, jetzt tote Weichsel zu einem der Schiffahrt und dem Handelsverkehr sehr erwünschten Binnenhafen gestaltet.
| | Danzig befindet sich seit 1945 unter polnischer Fremdherrschaft. Die einheimische Bevölkerung wurde völlig vertrieben. |
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte
Danzigs Entstehung nach Zeit und Namen verliert sich im Dunkel der Vorzeit. Es entstand so allmählich, daß kein bestimmtes Jahr für seinen Anfang anzunehmen ist. Münzfunde bekunden, daß schon zur Zeit der ersten römischen Kaiser an der Stelle des heutigen Danzigs ein Handelsplatz sich befunden hat. Erst 997, in der Missionsgeschichte des Erzbischofs Adalbert, wird es als Stadt mit seinem alten polnischen Namen erwähnt. Zur Stadt nach heutiger Auffassung wurde Danzig erst unter den pomerellischen Herzögen um 1260, als Lübecker Kaufleute und Schiffer immer häufiger den Platz besucht und infolge desse Deutsche in großer Anzahl sich dort niedergelassen hatten. In dem großen Streite, der über die Erbschaft der ausgestorbenen pomerellischen Herzöge zwischen dem polnischen König und dem Markgrafen von Brandenburg entbrannt war, wurde Danzig Besitz des Deutschen Ordens, der die Stadt durch die Gewalt der Waffen und demnächst durch Staatsverträge mit Polen und Brandenburg erworben hatte. Unter dem Orden wurde neben diesem ältesten Danzig ein neues Danzig 1343 angelegt, das die rechte Stadt genannt wurde. Diese rechte Stadt Danzig wurde bald der Kernpunkt der ganzen Anlage, von dem aus alle Angelegenheiten geleitet und bestimmt wurden.
Befreiung vom Deutschen Orden
Immer mehr blühte die Stadt auf, und da sie durch einen Gewaltakt des Deutschen Ordens aufs tiefste gekränkt, durch dessen eigenen Handelsbetrieb in ihrem Handel beschränkt war, so beteiligte sie sich bei der Loslöung derwestpreußischen Stände vom Deutschen Orden in herausragender Weise. Als diese Ablösung Westpreußens durch den Thorner Frieden 1466 vom Orden anerkannt werden mußte und die westpreußischen Ländereien unter polnischer Oberherrschaft kamen, teilte Danzig zwar ihr Geschick, hatte sich aber für seine großen Opfer von den polnischen Königen durch wichtige Privilegien eine unabhängige Stellung zu verschaffen gewußt, dazu ein großes, fast 900 qkm umfassendes Gebiet erhalten. Die Stadt erlangte damals eine nicht geringe politische Bedeutung. Mit Energie, Umsicht und - wo es nötig war - durch Kriegführung, hat sie diese Stellung zu behaupten verstanden und dem deutschen Wesen im Kampfe gegen den sie umflutenden Polonismus eine sichere Stätte bewahrt.
Reformation
Nachdem schon 1523 die reformatorische Bewegung auch in ihr begonnen, wurde sie bis 1557 völlig von derselben gewonnen und erhielt in eben dem Jahre vom polnischen König das Privilegum der freien Religionsübung. Sie hat diese Freiheit 1577 gegen König Stephan Bathory, der ihr sie wieder nehmen wollte, mit Waffen in der Hand siegreich verteidigt. Das Ende des 16. Jh. wurde nun ihre Blütezeit; damals gaben ihr die reich und kunstsinnigen Bürger den künstlerischen Schnuck, der sie noch ziert. Mit dem 17. Jh. änderten sich diese Verhältnisse. Infolge er schwedisch-polnischen Kriege, der Desorganisierung des polnischen Reichs, auch besonderer Unglücksfälle, wie der Pest von 1709, welche in der Stadt allein 24.500 Personen hinraffte, nahm Handel und Wohlstand ab. Die Zustände verschlimmerten sich aber noch im 18. Jh. Bei den polnischen Thronstreitigkeiten, in welche es für Stanislaus Lesczyński Partei genommen hatte, hatte es 1734 eine vom russischen Feldmarschall Münnich geleitete, harte Belagerung zu erleiden, die mit ihrer Eroberung und einer schweren Kontributionsleistung schloß.
Erste Teilung Polens
Bei der ersten Teilung Polen 1772 blieb sie zwar freie Stadt, aber alles umliegende Land bis Thorn hin, die Weichsel und der Hafen kam unter preußische Herrschaft, der Handel war der Stadt abgeschnitten und die Macht, sich daraus zu befreien, fehlte ihr. Nachdem König Stanislaus August von Polen erklärt hatte, daß er Danzig seinem Schicksal überlassen müsse, und nun Preußen dessen Unterwerfung verlangte, kam es zu einem Vertrag, infolge dessen die Preußen am 3. April 1793 in die Stadt einrückten, welche am 7. Mai dem König Friedrich Wilhelm II. huldigte.
Französischer Krieg
Unter Preußen Herrschaft begann Danzig wieder aufzublühen, doch nach dem Ausbruch des französischen Kriegs 1806 tragen die Stadt neue harte Schläge. Am 7. März 1807 von dem Korps unter dem Marschall Lefèbvre umringt, wurde ihre Einschließung auf der Landseite durch Wegnahme der großen Landzunge Frische Nehrung am 20. März vollendet. In der Nacht vom 23. zum 24. April begann das Bombardement der Stadt und dauerte mit Zwischenräumen bis zum 21. Mai fort. Der Mangel an Munition und der vom Feind beabsichtigte Hauptsturm, der bei der Überlegenheit desselben in seinem Ergebnis nicht zweifelhaft sein konnte, bestimmten endlich den Gouverneur, Grafen von Kalckreuth, am 24. Mai zur Kapitulation. Die Besatzung verließ am 27. Mai die Festung mit Kriegsehren und der Verpflichtung, ein Jahr lang nicht gegen Frankreich zu dienen; den Einwohnern aber wurde eine Kriegssteuer von 20 Millionen Franken mit der Bewilligung allmählicher Bezahlung auferlegt. Der Marschall Lefèbvre erhielt zur Belohnung für die Einnahme der Stadt den Titel eines Herzogs von Danzig. Durch den Tilsiter Frieden wurde Danzig als Freie Stadt mit einem Gebiete von 2 Lieues, das die willkürliche Erklärung Napoleons auf das ganze frühere Stadtgebiet ausdehnte, unter Frankreichs, Preußens und Sachsens Schutz anerkannt. Doch konnte es, als französischer Waffenplatz, seiner Unabhöngigkeit niemals froh werden, da fortwährend ein französischer Gouverneur, General Rapp, in Garnison daselbst blieb, und durch das Kontinentalsystem der Hauptnahrungszweig, der Handel mit England zerstört war. Danzig wurde infolge des russischen Kriegs am 31. Dezember 1813 in Belagerungszustand erklärt. Inzwischen gelang es doch den französischen und polnischen Truppen des 10. Armeekorps, sich beim Rückzuge in die Stadt zu werfen. Ebenso langten noch Verstärkungen aus Spandau und Magdeburg an, sodaß die Garnison 33.000 Mann betrug, als gegen Ende Januar 1813 das russische Einschließungskorps auf 6.000 Mann Kosaken bestehend, erschien, welches bald durch ein Korps von 7.000 Mann Infanterie und 2.500 Mann Kavallerie mit 60 Feldgeschützen, unter dem Generalleutnant von Loewis, abgelöst wurde. Nach dem Waffenstillstand vom 24. August übernahm der Herzog von Württemberg den Oberbefehl der Belagerungsarmee, die nun am 28. und 29. August, am 1., 7. und 17. September und am 1. November den belagerten bei Ausfällen und durch Angriffe die hitzigsten Gefechte lieferte. Erst als ein russischer Geschwader sich von der Seeseite der Stadt genaht und dieselbe gemeinschaftlich mit den Landbatterien, vom 1. September an auch mit Congreveschen Raketen beschossen hatte, auch die zweite Parallele eröffnet worden war, sah sich General Rapp genötigt, die Festung so zu übergeben, daß am 1. Januar alle Polen und Deutsche in ihr Vaterland entlassen wurden, am 2. aber alle Franzosen ausrückten, um als Kriegsgefangene in das Innere Rußlands geführt zu werden. Während dieser elfmonatigen Einschließung und Belagerung waren in der Stadt 309 Häuser und Speicher niedergebrannt, 1.115 Gebäude beschädigt worden und eine Menge Menschen verhungert Mit dem 3. Februar 1814 kehrte Danzig unter Preußens Oberherrschaft zurück. Nur langsam vermochte sich die Stadt unter preußischer Herrschaft von den Folge der schweren jahre 1807-13 zu erholen. Die städtische Verwaltung mußte die äußerste Sparsamkeit beobachten, um nur die große Gemeindeschuld verzinsen und tilgen zu können.
Freistaat Danzig
Zwischen 1919 und 1939 wurde Danzig gezwungenermaßen eine sogenannte Freie Stadt.
Der Freistaat Danzig wurde 1920 als Folge des sogenannten Versailler Vertrages aus der Stadt Danzig, dem Kreis Danziger Niederung, sowie aus Teilen der Landkreise Berent, Danziger Höhe, Dirschau, Elbing, Karthaus, Marienburg i. Westpreußen, Neustadt i. Westpreußen gebildet, die der deutschen Verwaltung gewaltsam entrissen und unter sogenannte Völkerbundaufsicht gestellt wurden. Im Jahre 1920 besaß dieser aus deutschem Reichsgebiet künstlich gebildete sogenannte Freistaat ca. 380.000 Einwohner, davon waren ca. 12.000 Polen. Die ständigen polnischen Provokationen und verübten Greueltaten an der deutschen Bevölkerung führten schließlich am 1. September 1939 zu der durch Adolf Hitler befohlenen Verteidigungsmaßnahme, die bis heute als Ausbruch des Zweiten Weltkriegs postuliert wird. Voraus gingen eine Reihe von Verständigungsversuchen Polen gegenüber, die jedoch allesamt abgelehnt und verworfen wurden. Das Linienschiff Schleswig-Holstein erhielt somit zum Schutz der deutschen Bevölkerung in und um Danzig den Auftrag, die Westerplatte bei Danzig zu beschießen, auf der sich völkerrechtswidrig ein polnisches Munitionsdepot befand und polnisches Militär stationiert war. Vom Völkerbund war lediglich eine kleine polnische Wachmannschaft erlaubt. Die Erlaubnis war auf zwei polnische Offiziere, 20 Unteroffiziere und ein kleineres Mannschaftskontingent begrenzt worden. Die Westerplatte war jedoch kein polnisches Staatsgebiet.
Nach 1945 wurde Danzig ebenso wie weiteres deutsches Reichsgebiet völkerrechtswidrig bis heute vorübergehend von Polen annektiert.

