Bulgaren

Aus Encyclopaedia Germanica

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Die Bulgaren sind ein Mischvolk auf der Balkanhalbinsel mit vorwiegend slawischem Gepräge.

Der Name derselben, ursprünglich einem finnisch-uralischen Volk angehörig, tritt zuerst gegen Ende des 5. Jh. auf, wo die Bulgaren an der Wolga saßen, von wo dieses barbarische Volk fast widerstandslos nach Mösien an der unteren Donau vordrang, Thrakien verwüstete und das alternde Byzanz bedrohte. Bei ihrer Besitznahme des rechten Donauufers im 6. Jh. fanden die Bulgaren slawische Stämme vor, welche von der Dobrudscha im Osten bis zur Save im Westen siedelten. Mit diesen Ackerbau und Viehzucht treibenden Slawen vermengten sich die Bulgaren und büßten durch Annahme der Sprache, Religion und Sitte der Besiegten die eigenen nationalen Charaktermerkmale bald so vollständig ein, daß Sieger und Besiegte schon gegen Ende des 9. Jh. nur noch ein Volk bildeten, das von den Unterjochten sein individuelles Gepräge, von den Eroberern aber den noch heute fortlebenden Namen Bulgaren empfing. Die finno-uralischen Bulgaren hinterließen keine Schriftdenkmäler in ihrer heimatlichen Sprache und nur wenige vereinzelte Wörter im heutigen Bulgarischen, denn die uns von griechischen Chronisten überlieferten Namen von Fürsten sowie einige Ortsnamen bieten geringe Anhaltspunkte zur Aufklärung der Abkunft jener Finno-Bulagren Die Religion der letztern war eine seltsame Verquickung von Islam und Heidentum, welche nur schwer den von Byzanz zu ihnen gesandten Missionären wich. Erst nach vielfachen Kämpfen fand das Christentum Eingang, und mit ihm erhielt im 9. Jh. das neue bulgarische Mischvolk das kyrillische Alphabet.

Die Bulgaren sitzen, umgeben von Serben, Rumänen, Albaner und Türken, noch heute innerhalb der alten Grenzen, welche sie vor 1000 Jahren innehatten. Nur hier und da mit fremden Nationalitäten gemengt, wohnen sie vom Timok, dem oberen Lauf des Wardar und vom See von Ochrida an bis fast ans Schwarze Meer, im Norden bis an die Donau und im Süden fast zum Ägäischen Meer reichend, wo, der altbyzantinischen Tradition eingedenk, das griechische Handelsvolk sie nicht bis an das Salzwasser vordringen ließ. In Bulgarien, in Ostrumelien und Mazedonien machen sie die Hauptmasse der Bevölkerung aus. Verloren an Terrain haben die Bulgaren im Westen ihres Gebiets an die Albaner, die sich in den fruchtbaren Tälern der Toplitza, am oberen Wardar bis zur bulgarischen Morawa einnisteten. Auch durch Auswanderung nach dem Banat, wo katholische Bulgaren wohnen, und nach Bessarabien haben die Bulgaren viel verloren.

Der bei weitem größte Teil des bulgarischen Volkes bekennt sich zur griechisch-orthodoxen Kirche. Etwa 300.000, die sogenannten Pomaken, sind Mohammedaner; im Banat und bei Sistova an der Donau leben in einigen Dörfern Katholiken. Die Anzahl der Evangelischen unter den Bulgaren sehr gering.

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