Bretagne

Aus Encyclopaedia Germanica

Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Bretagne (breton. Breizh) ist ein Land in Europa; es bildet eine große Halbinsel westlich von Frankreich, welche als längliches Dreieck ins Meer hineinragt, dessen Basis sich auf die französischen Provinzen Normandie, Maine, Anjou und Poitou stützt, und dessen Schenkel vom Ärmelkanal und dem Atlantischen Ozean bespült werden, umfaßt 33.888 qkm und bildete früher ein Herzogtum.

Man teilt die Bretagne in die Oberbretagne mit den fünf Bezirken Roazhon, Naoned, Sant-Maloù, Dol und Sant Brieg und in die Niederbretagne mit den vier Bezirken Gwened, Kemper, Leon und Treger.

Die Bretagne bildete im Altertum den Mittelpunkt des armorischen Völkerbundes, war also von rein keltischen Stämmen bewohnt, zu denen noch im 4. Jh. reine Kymrier aus England hinzukamen, die der Halbinsel den Namen gaben und die sich noch heute, vorzugsweise an der Nordküste sitzend, physisch vorteilhaft von den ältern Bewohnern unterscheiden. Das Druidentum herrschte hier absolut und hat zahlreiche Denkmäler hinterlassen. Die bretonische Sprache, das Breizad, wird noch in vier Dialekten, dem von Gwened, von Kemper, von Treger und von Leon, gesprochen, weicht aber mehr und mehr vor dem Französischen zurück.

Geschichte

Die Bretagne, zuerst Armorica (Meerland) genannt, wurde durch Cäsar 57-56 unterworfen und gehörte zu Gallia Lugdunensis. Im 5. Jh. wurde die Halbinsel Zufluchtsstätte zahlreicher aus Britannien durch die Angelsachsen vertriebener keltischer Briten und daher auch Britannia (minor oder cismarina) genannt, woraus Bretagne entstanden ist.

Nach dem Untergang des weströmischen Reichs waren die Herzöge von Bretagne, die auch den Königstitel führten, von Zeit zu Zeit von den fränkischen Königen abhängig. Im 10. Jh. hatte das Land von den Einfällen der Normannen zu leiden, deren Herzog Rollo sich 912, als nach Alains des Großen Tod (907) die Bretagne in vier Grafschaften zerfallen war, zum Herrn der Bretagne machte.

Als 1171 mit Conan IV. die alte einheimische Dynastie im Mannesstamm ausstarb, kam die Bretagne durch Konstanze, die Erbtochter des letzten Herzogs, an deren Gemahl Gottfried, Sohn Heinrichs II. von England, dessen Sohn und Erbe Arthur 1202 von seinem Oheim König Johann ermordet wurde. Nun wurde die Bretagne ein Zankapfel zwischen England und Frankreich, bis 1213 der Gemahl der Tochter Konstanzens, Alix, der Graf Pierre Mauclerc von Dreux, die Bretagne als französisches Lehen erhielt.

Erbstreitigkeiten brachen zwar noch öfters aus, so in einem langen Erbfolgestreit nach dem Tod Johanns III. (1341) zwischen dessen Bruder Johann von Montfort und dem Gemahl seiner Nichte, Karl von Blois, der erst 1364 durch den Tod des letztern in der Schlacht bei Auray beendet wurde; doch wußten die Herzöge von Bretagne gegenüber den französischen Königen ihre Selbständigkeit zu behaupten und standen in dem Krieg mit England auf dessen Seite.

Als mit Franz II., der im Kampf gegen Karl VIII. unterlegen war, der Mannesstamm der Herzöge von Bretagne 1488 erlosch, war dessen Tochter Anna, des Erzherzogs Maximilian von Österreich Verlobte, Erbin des Landes. Doch wurde sie 1491 mit König Karl VIII. von Frankreich und nach dessen Tod 1499 mit Ludwig XII. vermählt. Als nun ihre einzige Tochter, Claude, 1514 mit dem Herzog von Angoulême, der 1515 als Franz I. den französischen Thron bestieg, vermählt worden war, erfolgte 1532 die Einverleibung des Landes in Frankreich, nicht ohne daß den Ständen die Aufrechterhaltung ihrer Gerechtsame versprochen wurde.

Auch behielt die Bretagne bis zur Revolution ihr eignes Parlament. Während des Revolutionskriegs war die Bretagne der Schauplatz eines blutigen Bürgerkriegs, indem die dortige Bevölkerung sehr royalistisch gesinnt war. Noch 1832 zeigten sich hier Bewegungen zu gunsten der älteren Bourbonen.

Persönliche Werkzeuge