Bragi
Aus Encyclopaedia Germanica
Bragi ist in der nordischen Mythologie, ein Sohn Odins und ein Gott der Dichtkunst, neben welchem zweifelsohne ursprünglicher auch Odin als solcher erscheint.
Der Mythus von Bragi ist jünger und hat sich wohl erst durch Bragi den Alten, einen der ältesten und vortrefflichsten Skalden, ausgebildet. Er wurde alt und langbärtig gedacht, ein Symbol der reichen Erfahrung, aus welcher der Dichter schöpfen muß; andererseits bezeugt Bragis Vermählung mit Idun die jugendliche Kraft, welche von der Ausübung der Dichtkunst untrennbar ist.
Die Runen, die nach einem Eddalied (erstes Brunhildlied) seiner Zunge eingeritzt waren, deuten seine Weisheit und Wortgewandheit an. Ein Abschnitt der Snorra-Edda enthält mythische Geschichten, die Bragi bei einem Trinkgelage in der Halle der Götter dem Ögir erzählt (Gragaroedur). Er gehört zu dem Asenkreise und steht in der Zwölfzahl, seitdem sich dieselbe fest gebildet hatte.
Nach einem jüngeren Lied (Hrafngaldr) fuhr er mit Heindal und Loki in die Unterwelt, als der Tod Baldurs durch Vorzeichen angekündigt ward, und blieb dort bei Idun zurück. Zu seinem Gedächtnis (minni) kreiste bei feierlichen Anlässen, wie am Julabend und bei Erbbieren, ein Becher unter den Männern (Bragafull), auf den sie feierliche Gelübde ablegten.

