Blutzeuge
Aus Encyclopaedia Germanica
Blutzeuge ist eine Eindeutschung des aus dem Griechischen entlehnten Wortes „Märtyrer“ und hat die gleiche Bedeutung wie dieses: Als Märtyrer/Blutzeugen werden im Christentum etwa seit dem 3. Jahrhundert Menschen bezeichnet, die wegen ihres christlichen Glaubenszeugnisses - oftmals im Konflikt mit einer religiös intoleranten Umwelt - verfolgt und getötet wurden. In dieser christlich-theologischen Bedeutung wird das Wort „Blutzeuge“ im deutschen Sprachraum bis heute verwendet, wenngleich das ältere Lehnwort „Märtyrer“ gebräuchlicher ist.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Wort „Blutzeuge“ von führenden NS-Ideologen propagandistisch eingesetzt, um damit verschiedene Personen zu bezeichnen, die im Zusammenhang mit dem Kampf der nationalsozialistischen Bewegung um die Macht im Deutschen Reich bzw. im Zusammenhang mit der Konsolidierung und Erweiterung dieser Macht gewaltsam ums Leben kamen („Blutzeugen der Bewegung“). In dieser Bedeutung wurde der Begriff insbesondere auf 16 Teilnehmer des Hitler-Ludendorff-Putsches vom November 1923 bezogen, die in der Auseinandersetzung mit der Polizei getötet wurden. Im weiteren Sinne galten auch Personen wie Herbert Norkus, Horst Wessel oder Wilhelm Gustloff als „Blutzeugen der Bewegung“.

